Buzzwords in der Bewerbung: Weg damit!

Letzte Woche hat LinkedIn getan, was sie jedes Jahr im Januar tun: die Buzzwords in den Profilen ihrer Mitglieder zu zählen, fein säuberlich nach deren Herkunftsländern aggregiert und verglichen. Neues Jahr heißt nicht nur Zeit für gute Vorsätze, sondern auch zum Überdenken der eigenen Karriere. Um beruflich weiterzukommen müssen erst einmal Personalentscheider überzeugt werden. Diese gehören aber eindeutig zu den eher kritischen Zeitgenossen. Scheinbar hat sich aber immer noch nicht endgültig herumgesprochen, dass Buzzwords, also Schlagwörter in hoher Dichte ohne Zusammenhang wenig bis keinen Überzeugungswert haben – leider.

Die Renner unter den Buzzwords

Interessanterweise sind zwei Begriffe weltweit sehr beliebt: “spezialisiert” und “Führungsqualitäten” sind neben Deutschland auch in England, USA, Frankreich Schweiz und Singapur unter den ersten drei. Vergleicht man die ganze Top-Ten-Liste, sind die Begriffe ziemlich homogen: Sieben der zehn Begriffe kommen in mindestens vier Ländern unter die ersten zehn. Das überrascht, denn es gäbe noch eine große Zahl von ähnlichen Buzzwords, die überhaupt nicht vorkommen. So kam beispielsweise in 2016 in Deutschland “motiviert” noch auf Platz 3, diese Eigenschaft ist in diesem Jahr in keinem der sechs Länder in der Top-Ten-Liste mehr vertreten. Als “begeisterungsfähig” bezeichnen sich nur die Engländer (Platz 6). England und USA trumpfen mit “herausragend” auf (Platz 6 bzw. 10). USA und Singapur, dort sind Ausbildungs- und Referenzgewohnheiten ganz andes als bei uns, beschreiben sich gern als “zertifiziert” (beide Platz 8).

Mein Buzzwords-Highlight

Mir hat gut gefallen, dass der Begriff “motiviert” seit der letzten Erhebung offenbar in Ungnade gefallen ist. Der Grund ist einfach: Jeder will motiviert sein, aber ewig motiviert zu sein funktioniert nicht. Denn mit der Motivation verhält es sich ähnlich wie mit Ebbe und Flut: es sind weitgehend äußere Kräfte, die sie steuern. Wer die Beweggründe und Zusammenhänge seiner Aufgaben kennt, dem fällt motiviertes Arbeiten leichter. Lob und Erfolg motivieren, erreichbare Ziele ebenfalls. Kleine Erfolge lassen sich feiern; werden sie mit Lob garniert, geht die Motivationskurve gleich wieder ein Stück nach oben. Es ist unendlich viel schwerer, motiviert auf Ziele hin zu arbeiten, die fern und unerreichbar erscheinen. Noch schlimmer, wenn nicht geschimpft schon Lob genug ist oder das Feedback eines Kollegenteams komplett fehlt. Resilienz und Führungsqualität sind Eckpfeiler, die Motivation beeinflussen. Übrigens gehört auch das Empfinden der Abwesenheit von Motivation dazu, dass sich Motivation entfalten kann – wie bei allen Emotionen.

Traurig, aber wahr

LinkedIn zählt ausschließlich Begriffe in Profilen, aber die Richtung stimmt. Aus meiner Alltagserfahrung mit Bewerbungen kann ich sagen, dass es in Anschreiben und Lebensläufen ähnlich aussieht. Das ist schade, denn nicht selten steckt hinter der faden Oberfläche eine echte Wumme von Kern. Aber Bewerben findet nun mal in der Realität statt. So sieht diese Realität aus: HR-Abteilungen sind Stabstellen, ihre Wertschöpfung liegt im administrativen Bereich – die Personaldecke ist dünn. In der Regel haben HR-Mitarbeiter nur wenig Zeit für eine erste Sichtung von Bewerbungen. Oder noch schlimmer: die erste Bewertung erfolgt durch eine regelbasierte Software, die alle Bewerbungen unterhalb einer definierbaren Qualiätsschwelle aussortiert.In beiden Fällen fehlt Zeit und Gelegenheit, diesen guten Kern freizulegen. Sehr ärgerlich, aber der Ball liegt in Feld der Bewerber. Sie haben die Sache in der Hand.

Warum die Buzzwords überflüssig sind

Ähnlich wie mit der Motivation verhält es sich auch bei den anderen emotionalen Begriffen: kreativ, innovativ, fokussiert, leidenschaftlich, begeisterungsfähig. Ach ja, kennen Sie jemanden, der sich als nicht kreativ, nicht innovativ, nicht fokussiert usw. beschreibt? Ich nicht. Zumindest nicht beim Bewerben. Schon deswegen taugen diese Begriffe allesamt nicht als Differenzierungsmerkmale. Wenn etwas nicht differenziert, hat es im Bewerbungsprozess keine Argumentationswirkung, es kann also weg.
Andere Begriffe bewegen sich zwar auf der Sachebene, sind aber kein bisschen besser: spezialisiert, Führungsqualitäten, strategisch, herausragend, Expertenwissen, erfahren, verantwortungsvoll, erfolgreich, zertifiziert. DASS jemand diese Eigenschaften besitzt, mag gut und schön sein. Aber es kommt auf den Zusammenhang an, um sie wirklich bewerten zu können.

Ok, so geht’s nicht. Wie werde ich die Buzzwords los?

Das Manager Managzin hat gestern in einer griffigen Fotostrecke alle zehn Begriffe säuberlich verrissen. Das ist unterhaltend, aber wenig hilfreich. Mäkeln macht nichts besser – beim Manager Magazin mag nachschauen, wem es auf den Unterhaltungswert ankommt. Mir ist etwas anderes wichtig: Es ist nicht ganz leicht, inhaltlich zu überzeugen. Ein sehr gutes Mittel, mit knappen Worten anschaulich zu überzeugen, ist Storytelling. Wie kann das gehen? An einem Praxisbeispiel lässt sich das gut zeigen: einer unserer Beratungsklienten wollte sich um eine Projektmanagement-Position bewerben. Er beschrieb sich selbst auf der Titelseite seines Lebenslaufes so:

“Von Natur aus Detektiv: Ich setze dort an, wo es knirscht, entdecke den Fehler auch in noch so komplexen Systemen und arbeite auf die Optimierung von Prozessen hin, vom Materialeinsatz über die Abfüllung bis hin zum verpackten Produkt.
Mit Herz und Verstand bei der Sache: Schon im Studium war ich derjenige, der sich beharrlich an der Lösungsoptimierung festbiss und erst dann zufrieden war, wenn die Aufgabe restlos gelöst war. Diese Eigenschaft habe ich mir bis heute erhalten und will sie auch in Zukunft verfeinern.”

Schon beim ersten Überfliegen von Projektliste und Arbeitszeugnissen waren diese beiden Eigenschaften klar und deutlich erkennbar. Damit waren drei in Stellenausschreibungen häufig geforderte Eigenschaften griffig und sachlich belegt: Zielorientierung, Einsatzbereitschaft und Beharrlichkeit. Wir haben geprüft, dass die entscheidenden Schlüsselbegriffe in beiden Dokumenten untergebracht waren, damit auch eine eventuelle HR-Software ausreichend zu ihrem Recht kommt. Keine Sorge übrigens, wenn eines der bei LinkedIn aufgeführten Buzzwords in einem Arbeitszeugnis auftaucht. In der Regel ist das unkritisch.

Das Prinzip der richtigen Dosierung

Zugegeben, eine solche Bewerbung lässt sich nicht aus dem Ärmel schütteln. Sie zu schreiben braucht mehr als nur ein paar Stunden, sie erfordert neben der reinen Schreib- und Recherchearbeit zusätzlich kritische und gründliche Reviews. Aber der Aufwand lohnt sich. Denn schließlich geht es um die Karriere, als Alternative droht schlimmstenfalls Arbeitslosigkeit. Da ist jede Minute gut investierte Zeit.
Beim Belegen wesentlicher persönlicher Eigenschaften ist weniger oft mehr. Wer sich die Mühe macht, aus der Stellenanzeige die wesentlichen Anforderungen zu isolieren und diese in der Bewerbung zu belegen, geht den richtigen Weg. Die Überzeugungskraft von Eigenschaften hängt zudem stark vom Kontext ab. Wer sich als Design Thinker bewerben will, darf durchaus seine kreative und innovative Natur mit Storytelling belegen. Erfahrungsberichte, aus denen Fokussierung und eine strategische Denk- und Arbeitsweise hervorgehen, gewinnen demselben Bewerber keinen Blumentopf. Wieso ein Fluglotse mit Kreativität nicht punkten kann, dürfte sich mittlerweile von selbst erklären. Dass nicht alle hehren Eigenschaften in allen Berufen gut aufgehoben sind, beschreibt Eckart von Hirschhausen in seinem Video auf sehr anschauliche Weise – übrigens in einer herrlich mitreißend erzählten Geschichte.