Von Spinnen, Netzwerken und Karrierezielen

Spinnen finde ich klasse, solange sie meinen Individualabstand, etwa eineinhalb Meter, einhalten. Aber aus dieser Entfernung schaue ich ihnen gerne zu. Sobald sich in ihrem Netz etwas bewegt, läuft die Spinne los und schaut nach. Ist etwas hängen geblieben? Prompt wird es verwertet. Oder ist das Netz gerissen? Dann wird sofort repariert, damit es seine Form behält und seinen Zweck schnell wieder erfüllt. Von Tag zu Tag kann man sehen, dass die Spinne ihr Netz erweitert. Und wenn es nicht mehr hält, wandert sie zu einem besseren Platz und baut ein neues. Das Netz ist für sie überlebenswichtig, und so geht sie auch damit um. Ein cleveres Tier, diese Spinne. Ein tolles Werk, ihr Netz! Und wir Menschen?

Netzwerken – ganz praktisch

Wie sieht Ihr Netzwerk aus? Sicher pflegen Sie  bestehende Freundschaften und Bekanntschaften. Reißt einmal ein Faden, wird er repariert, damit alles beim Alten bleibt. Ein Netzwerk der Beständigkeit! Lauter gute Freunde, die auch mal die Spülmaschine reparieren können oder belastbare Urlaubstipps geben. Irgendwie wie das Radio, das immer den Lieblingssender abspielt. Irgendwie beruhigend, vertraut, ganz schön hilfreich.

Kontakte sind vor allem auch nützlich, wenn es um einen neuen Job geht. Für Führungskräfte ist Netzwerken Pflicht. Für sie ist die Luft dünner, wenn es um eine berufliche Neuorientierung geht. Passende Vakanzen sind rarer als bei Fachpositionen und viel individueller ausgeprägt. Zudem ist eine Falschbesetzung auf Führungsebene ist für Unternehmen teurer und schwerwiegender als in der Linie, die Folgen können fatal sein – bis hin zur Abwanderung von Leistungsträgern. Deswegen ist die Vertrauenskomponente bei Neubesetzungen entscheidend. Aber nicht nur Führungspositionen werden über persönliche Kontakte besetzt, das gilt für alle Vakanzen, ganz sicher aber für die wirklich interessanten.

Damit das Netz so wirken kann, braucht es Bereitschaft, neue Fäden in alle Richtungen zu spinnen und an immer wieder neuen Ankerpunkten festzumachen. Die Bereitschaft, auf anderen Wellenlängen zu senden und zu empfangen als auf den guten altbekannten Radiokanälen. Ein Netzwerk aus Sparringspartnern, Querdenkern, einem breiten Spektrum an Berufen und Regionen. Eines, das auf dauerhaftes Wachstum angelegt ist, ein Begleiter über berufliche und regionale Veränderungen hinweg. Gegenseitiges Vertrauen eint trotz aller Andersartigkeit. Ob Sie Ihr Netzwerk in einer Visitenkartenbox oder einem sozialen Netzwerk speichern, ist dann noch egal.

Wenn es um den nächsten Karriereschritt geht, werfen Sie Ihr Netzwerk an: informieren Sie Ihre Kontakte, was Sie suchen. In einem dichten, gut funktionierenden Netzwerk verteilt sich diese Information schnell auf die zweite, vielleicht sogar die dritte Kontaktebene. Ihre Kontakte kennen Sie gut, sind daher ein verlässliche Quelle für all jene Informationen, die in Bewerbungsunterlagen so schwer darzustellen, für eine zukunftssichere Besetzung aber unschätzbar wertvoll sind. Sicher wird es nicht ohne die übliche Bewerbungsmappe abgehen. Aber wenn Sie danach gefragt werden, haben Sie schon ein gutes Stück der Erfolgsleiter hinter sich.