Von Kaffeetassen, Kommunikation und Lebensgefühl

 
Durch +Lars Hahns Blog bin ich über die Kaffeetassen-Blogparade von +Stefan Evertz gestolpert und mir war gleich klar: da mache ich mit.
 
Denn ich bin unbedingt hochgradig Kaffeetassen-affin! Die Zahl meiner Kaffeetassen (bunt, groß, hoch) nenne ich jetzt mal nicht. Aber so viel: sie ist groß. Wirklich groß. Das ist auch nötig, denn Kaffee ist Lebensphilosophie, ist Kommunikationsmittel und zwischenmenschlicher Brückenbauer. Schließlich habe ich ja auch mehrere Paar Schuhe und gehe nicht mit Gummistiefeln ins Theater.
 
Zwei Tassen stechen aus der Masse heraus: meine bunte Alltagskaffeetasse, die zu meinem morgendlichen Ritual gehört wie das Einschalten des Laptops. Gefunden habe ich sie vor Jahren bei Starbucks in Berlin, gekauft habe ich sie wegen ihrer Größe – und der schönen breiten, wie mit Wasserfarben angemalten bunten Streifen. Die Farben entsprachen frappierend dem Design meines Lieblings-Strandlakens, also musste sie mit… Ohje, ich schweife ab!
 
Kaffeetasse

Also zurück zum Thema: Ich bin ein fester Anhänger der Theorie, dass man vor dem Wachwerden aufstehen kann. Ich tue das immer, ich kann gar nicht anders – ich bin sozusagen der lebende Beweis dieser Theorie. Aber nach dem Kaffee aus der bunten Streifentasse bin ich wach. Und tatsächlich sogar ansprechbar. Das liegt sicher teilweise am Kaffee selbst, aber ganz bestimmt auch an den schönen bunten Farben dieser Tasse. Sie holen mich sozusagen freundlich-vorsichtig in den Tag hinein. Danke dafür, liebe Streifentasse.

Kaffeetasse

Nun aber zu der Tasse, um die es hier gehen soll: diese eine, ganz spezielle, für ganz besondere Kaffeetrink-Anlässe: die Hamburg-Tasse. Sie stammt einerseits aus einer Städte-Serie eines namhaften Porzellanherstellers, andererseits gehört sie in eine meiner Jäger- und Sammlerphasen. Jäger bin ich ja sozusagen von Beruf, also darf ich das. Jede Tasse der Sammlung ist ein Symbol. Es gibt zu jeder Tasse einen Anlass, jede war meine Belohnung an mich selbst für eine besondere Leistung: der Abschluss eines schwierigen Projekts, ein Vertriebserfolg, auch mal ein Schatten, über den ich gesprungen bin. Der Ort der Handlung ist in der Tasse verewigt, es gibt Köln, Düsseldorf, Dresden, Wien, Tel Aviv, Paris…

Tasse3

Zum Schluss muss ich noch eine traurige Kaffeetassen-Geschichte erzählen, die von einer kleinen, ganz unglücklichen Espressotasse. „Das Leben ist, was man daraus macht“ steht auf ihrem Bauch. Ich mag den Spruch, Espresso auch, vor allem nachmittags. Nur leider taugt dieser Bauch heute nicht mehr wirklich für meinen Espresso. Beim Wegräumen fiel sie mir aus der Hand und zersprang in gefühlte tausend Stücke. Ich habe alle Scherben und Scherbchen in archäologischer Kleinarbeit zusammengefegt, eingesammelt und wieder akribisch zusammengeklebt, aber dem Kaffee begegnet sie mit einem erheblichen Maß an Inkontinenz. So steht sie jetzt, außer Dienst genommen, im Regal neben meinem Schreibtisch, gut bewacht von Monsieur Le Flic. Nie, nie wieder wird ihr etwas passieren, das schwört er mir fast täglich. Ich bin Monsieur Le Flic so dankbar!