Über 50 – unten durch?

„Man ist so alt, wie man sich fühlt – oder anfühlt.“ Ein Kalauer, der einfach nicht totzukriegen ist. Und doch ist etwas Wahres dran.
Oft genug stehen Menschen mit Ende Vierzig, Anfang Fünfzig plötzlich auf der Straße. Um alle Klischees zu bedienen: sattes Gehalt, Firmenwagen, gut etabliert, wenig Reibungsverluste, netter Job ohne dass man sich noch langmachen muss, man versteht sich mit den Kollegen – dann plötzlich das Aus. Die Firma restrukturiert, durchs Raster gefallen. Auch hier ist etwas Wahres dran, auch wenn im Einzelfall nureinzelne Klischees zutreffen.
Viele Firmen verstehen durchaus, dass ein Generationen-, Geschlechter- und Kulturmix ein gutes Team ausmachen. Vielfalt im Input erzeugt Vielfalt im Output. Und doch stellt die Jobsuche für die Generation Ü50 häufig eine schwer zu knackende Nuss dar.
In der Personalberatungs-Praxis sehen wir häufig Anschreiben älterer Bewerber, die das Alter thematisieren. Warum eigentlich? Schließlich ist Alter kein Qualifikationsmerkmal, weder im Guten noch im Schlechten. „ich bin etwas alt, aber ich will den Job“ zieht einfach nicht. Wer eine solche Botschaft in seine Bewerbung einbaut kann Glück haben, dass der Personalverantwortliche sie als „Fehler mit Charme“ versteht.
Um nochmal auf das Anfühlen zurückzukommen: Im Bewerbungsprozess „fühlt“ das Unternehmen das Alter des Bewerbers aus ganz anderen Dingen heraus. Bei Fragen wie…

  • Was tun Sie in den ersten 90 Tagen im neuen Job?
  • Wie würden Sie der Wunschfee Ihren Traumjob beschreiben?
  • Sie wollen all Ihre Tatkraft und Ihr Wissen in dieses Unternehmen stecken – was schuldet es Ihnen dafür?


…sollen die Augen des Bewerbers leuchten, Visionen aus ihm heraussprudeln, Spaß am Job, Kreativität und Lust auf Leistung darin unübersehbar. Zugegeben, mit rund 50 Lebensjahren darf es ein gewisses Maß an Abgeklärtheit sein. „Karriere“ darf ruhig als überholtes Wort gelten, aber berufliche Ziele müssen auch dann noch Platz haben. Als heute 51Jährige ist mein Rentenalter genauso weit weg wie mein 35. Lebensjahr – 16 Jahre voller Erfahrungen, Risiken, Erfolgen und Lerneffekten! Sind das nicht einfach zu viele Jahre, um sie mit Abwarten zu verbringen?
Ein Unternehmen braucht Menschen, die (es) bewegen, die die Wege bahnen, auf denen Unternehmensziele erreicht werden. Erfahrung und Abgeklärtheit sind gut, sie erleichtern Vieles. Aber sie sind eben nur die halbe Miete. Begeisterung, Kreativität und ganz viel Lust auf Leistung sind Soft Skills, die den attraktiven Bewerber ausmachen – und nicht zuletzt das fühlbare Alter dramatisch senken.