Drei simple Tricks für eine starke Arbeitgebermarke

Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht, er ist zum Nachfragemarkt geworden und funktioniert inzwischen sozusagen verkehrt herum: er steht Kopf. Das macht einen entscheidenden Unterschied, vor allem für Arbeitgeber. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass Sie als Arbeitgeber heute gar nicht anders können, als sich um passende Mitarbeiter zu beweben?

Active Sourcing

Bewerber können sich heute, zumindest in den Mangelberufen, zurücklehnen und finden lassen oder bequem unter einer großen Vielfalt an Alternativen das beste Angebot wählen. Arbeitgeber müssen in dieser Situation aktiv mit Bewerbern in Beziehung  treten und diese Beziehung im einzelnen Fall solange aufrecht zu erhalten, bis eine Entscheidung zur Einstellung dieses einen Bewerbers getroffen ist.  
Es ist ein Teil des Recruitings, latent Suchende  und Talente auf das Unternehmen aufmerksam zu machen und Interesse für die Arbeitgebermarke zu wecken. Ihre Arbeitgebermarke steht dabei im Mittelpunkt, sie stellt sich differenziert durch Ihre Alleinstellungs-merkmale dar, be-wirbt sich also im reinen Wortsinn.

Wie kann das praktisch aussehen, ohne horrende Kosten wie im Employer Branding? Schließlich muss HR als Abteilung außerhalb der Wertschöpfungskette fast immer durch Kostenbewusstsein glänzen.

Keine Experimente, denn die sind teuer. Weil veränderte Rahmenbedingungen mit dem verstärkten Wiederholen nicht mehr zeitgemäßer Rezepte aber nun einmal nicht beizukommen ist, müssen neue Wege her. Als Beispiele für moderate, aber wirkungsvolle Veränderungen möchte ich Ihnen drei einfache Maßnahmen vorstellen, die ohne wesentlichen finanziellen Aufwand umsetzbar sind. Auch wenn sie kein großes Geld kosten, ein bisschen Mut kosten sie schon, den Mut zum Umdenken. Aber wenn Sie den investieren, werden Sie vielleicht überrascht sein: Es entsteht sogar eine Eigendynamik, die ansteckt und aus der im Nullkommanix neue Ideen erwachsen. Für die Umsetzung dieser Tipps brauchen Sie weder einen Social Media Manager noch einen HTML-Guru, der Ihnen Webseiten im responsive Design entwirft. Das hier geht alles notfalls auch ohne Internet, mit Bordmitteln und ohne zusätzlichen Personalaufwand. Mit Webunterstützung geht’s natürlich auch. Und wenn Sie mögen: ich hätte noch einiges mehr auf Lager.

Erstens: Das Bewerbungsgespräch oder die drei K‘s

Konferenzraum, Kaffee, Kreuzverhör – so empfinden Bewerber Vorstellungsgespräche ziemlich regelmäßig. Es geht aber auch anders. Und zwar, indem an die Stelle des dritten K das Wort “Kollegen” tritt. Praktisch bedeutet das: Nach Händeschütteln und einem ersten Eisbrechen beim Kaffee im Konferenzraum geht’s an den zukünftigen Arbeitsplatz. Dort warten die Kollegen in spe, berichten dem Bewerber von ihrer Arbeit und davon, wie der ausgeschriebene Job in das Team und in die Abläufe hineinpasst. Stellen Fragen, antworten auf Fragen des Bewerbers. Man wird vielleicht warm miteinander, beginnt einen fachlichen Diskurs, oder auch nicht. Aber am Ende des Gesprächs sind alle schlauer. Bewerber und Arbeitgeber, HR, Vorgesetzte und Kollegen, haben ein klares Bild, ob die Chemie stimmt und ob der Bewerber zur Aufgabe passt und umgekehrt.

Zweitens: Ihr Bewerbungsfoto

Wenn wir schon darüber nachdenken, was eine Arbeitgeber-Bewerbung ist, darf das Thema Bewerbungsfoto nicht fehlen. Haben Sie eine Idee, mit welchem Foto sich Ihr Unternehmen am Arbeitsmarkt bewerben könnte? Mit dem repräsentativen Eingang des Hauptgebäudes, mit Erfolgsgrafiken, mit dem Foto eines Unternehmenssprechers beim letzten Fachkongress? Nein, das bitte nicht. Investor Relations, Produkt- und Arbeitgebermarke sind völlig verschiedene Dinge, die unterschiedlich in Szene gesetzt werden müssen, damit sie wirken.

Aber wir sind doch gerade am Ort des Geschehens! Am Arbeitsplatz, dort wo der Bär steppt, mit dem hoffentlich-bald-Kollegen mittendrin. Und wo wir schon gerade alle zusammenstehen, machen wir doch gleich ein Selfie. Das macht Spaß, geht schnell und ohne viel Aufwand, bewirkt ein nachhaltiges Wir-Gefühl und ist ein Trumpf im Ärmel. Diesen Trumpf könne Sie zum Beispiel ziehen, wenn Sie dem Bewerber Nachricht geben. Hat er überzeugt, senden Sie ihm dieses Bild mit der guten Nachricht, dass er zum zweiten Gespräch eingeladen wird. Wenn nicht, senden Sie es ihm eben mit der Absage zu. Unten darunter stehen die Namen seiner Gesprächspartner als persönliche Note. Auch wenn ihre Botschaft dank AGG sehr knapp ausfallen muss, so wird selbst eine Absage zu einer werthaltigen Botschaft. Der Trumpf kommt wieder zum Einsatz, wenn der neue Mitarbeiter an Bord kommt. Das Bild schmückt dann die Mitarbeiterzeitung, Ihre Facebook-Timeline oder den Karriere-Blog. Schreiben Sie dazu, warum er die Kollegen überzeugt hat. Und warum sich alle im Team auf die Zusammenarbeit freuen. Eine solche Begrüßung beflügelt und setzt Motivation frei, nicht nur bei dem neuen Kollegen. Sie wirkt nach außen, auf latent Suchende und Talente, die Ihren Blog besuchen und verstehen, was ein guter Bewerber mitbringen muss, damit er die Bewerberrunde gewinnen kann. Und sie erzeugen auch dann noch einen starken Eindruck, wenn auf Ihren Karriereseiten gerade mal keine Jobangebote ausgeschrieben sind. Pinnen Sie die Selfies der verschiedenen Bewerbergespräche an die Wand, präsentieren Sie sie im internen Blog oder Intranet. Und nutzen Sie sie, um am Ende des Jahres die besten „Hire-Maker“ unter den Kollegen zu küren. Diese Selfie-Sammlung ist ein echtes As, eine neue und zusätzliche Möglichkeit, Mitarbeiter zu loben, aber auch zu beteiligen und anzuspornen.

Drittens: Ihre Bewerbungsunterlagen

Bewerber kennen diese Fragen: Wer sind Sie? Was können Sie besonders gut? Wie packen Sie die Dinge an? Die Antworten auf diese Fragen müssen aus den Bewerbungsunterlagen hervorgehen, sonst hat Bewerber etwas maßgeblich falsch gemacht. Da wir hier den Spieß umdrehen wollen, fragen wir jetzt, wie sich das Unternehmen potenziellen neuen Mitarbeitern gegenüber ins richtige Licht setzt. Schaut man sich Imagebroschüren oder die Karriereseiten von Unternehmen an, finden sich austauschbare Botschaften. Das ist schrecklich – schrecklich langweilig, aber auch erschreckend, denn es macht wenig Sinn, auf undifferenzierte Selbstdarstellung hin geschliffene und gezielte Bewerbungen zu erwarten, aus denen der Cultural Fit eines Bewerbers klar erkennbar ist. Das kann nicht funktionieren. Aber das steht für heute auf einem anderen Blatt. Zwar sind in der Regel alle wesentlichen Schlüsselwörter vertreten, ein echtes Alleinstellungsmerkmal als Arbeitgeber findet sich nur sehr selten. Dabei stellen Bewerber ganz konkrete, immer wieder sehr ähnliche Fragen wie:

  • Was macht die Besonderheit des Unternehmens aus? Am Markt, in der Zusammenarbeit?
  • Was war die Gründungsidee, was ist bis heute daraus geworden? Welcher Vision folgt das Unternehmen?
  • Wie weit sind Einkaufsmöglichkeiten, Parkplätze, Haltestellen, Kitas entfernt?
  • Wie sieht das Miteinander aus: Weiterbildung, Karriere, Feedback, Teamevents, Sport, Feiern, Altersstruktur, Geschlechterverteilung
  • Wie ist die Arbeit strukturiert? Einzel- oder Großraumbüro, Arbeit beim Kunden, Home Office, Arbeitszeiten, Kommunikationswege, Teamstruktur, Work-Life-Balance, Internationalität, Dienstreisen
  • Vergütung, Boni, Wertschätzung
  • Was erwartet das Unternehmen von seinen Mitarbeitern?
  • Gibt es eine Kantine? Ist gemeinsames Mittagessen üblich?

Warum also nicht die Antworten zu diesen Fragen in den Mittelpunkt der Imagedarstellung auf der Karriereseite stellen? Aus der Arbeit mit Unternehmen weiß ich, wie schwierig diese Aufgabe ist. Eine dem Alltag geschuldete Betriebsblindheit macht es HR- und Führungskräften oft schwer, sie so zu beantworten, dass sie Bewerbern ein schlüssiges Bild vermitteln. Da hilft ein einfacher Trick: Fragen Sie die Mitarbeiter, beispielsweise indem Sie ein Gewinnspiel intern ausschreiben, das Antworten auf diese Fragen sammelt. Führen Sie die Antworten anschließend zusammen und publizieren Sie sie – auf den Karriereseiten, in Bewerberbroschüren und auf dem Plakatmaterial, das Ihre Informationsstände auf Messen und Tagungen schmückt. Das ist Ihr Alleinstellungsmerkmal und liefert gleich noch enormes Differenzierungspotenzial als Arbeitgeber mit – besser als es irgendein Arbeitgeber-Gütesiegel leisten kann.



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