Soft Skills, harte Fakten. Warum die Mischung entscheidend ist

Angenommen, drei Menschen besuchen denselben Kurs, lernen dieselben Dinge – sei es eine Programmiersprache, die Bedienung einer Maschine oder den Umgang mit Gefahrgütern. Und nehmen wir weiter an, alle drei beenden die Abschlussprüfung mit derselben sehr guten Benotung: Sind alle drei gleich gut geeignet, das erlernte Wissen in der beruflichen Praxis einzusetzen? Selbst wenn alle drei dieselbe Arbeit machen, in ihrem beruflichen Alltag dieselben Aufgaben zu lösen haben: ziemlich sicher werden sie sich in der Umsetzung des gelernten Wissens unterscheiden.

 

Soft Skills - harte Fakten

Soft Skills, auch außerfachliche Kompetenzen genannt, fassen Merkmale im zwischenmenschlichen Verhalten (soziale Kompetenzen), in der Kommunikation (kommunikative Kompetenzen), im Umgang mit sich selbst (personale Kompetenzen) und im Einsatz von Methoden (methodische Kompetenzen). Das interessante an diesen außerfachlichen Kompetenzen ist, dass sie sich nicht so einfach in ein Anforderungsprofil hineindefinieren lassen wie es bei ihren fachlichen Geschwistern der Fall ist.

 

Als IT-Berater im Webumfeld wird ohne Kenntnisse in HTML, CSS und Java kaum auskommen. Eine hohe Beraterkompetenz setzt in der Regel ein gewisses Maß an Kommunikationsvermögen und Durchsetzungskraft voraus, auch Zeitmanagement und Selbstorganisation sind erforderlich. Ein kreativer Chaot mit Überzeugungskraft und Improvisationstalent könnte Defizite im Zeitmanagement durchaus kompensieren, eventuell sogar durch den ihm innewohnenden Charme bei seinen Kunden gut ankommen. Nur verlassen sollte er sich darauf nicht, vor allem nicht im Bewerbungsprozess. Seine Zeugnisse werden ihn als guten Berater ausweisen, ohne dass auf die zugrunde liegenden Soft Skills im Einzelnen eingegangen wird. Und genau darauf kommt es an.

Soft Skills lassen Wissen lebendig werden, machen daraus Kompetenzen, und entscheiden darüber, ob ihre Inhaber zu mehr oder weniger guten Mitarbeitern und Leistungsträgern werden. Wie gut ein Einzelner vorhandene Wissensbausteine untereinander verknüpfen kann, wie gezielt er Fehlendes erfragen kann, wie mit Rückschlägen, Fehlern und Hemmnissen umgegangen wird, wie zielsicher auf ein Ergebnis hingearbeitet wird und wie Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit den Arbeitsprozess unterfüttern, sind Beispiele für außerfachliche Kompetenzen, die eine Mitarbeiter mehr oder weniger erfolgreich sein lassen.

Ohne Probleme lassen sich zwanzig, dreißig im beruflichen Alltag relevante Soft Skills finden. Anpassungs- und Einfühlungsvermögen, Charisma, Kreativität und Neugierde gehören genauso dazu wie Durchsetzungsstärke, Selbstdisziplin, Souveränität und Zielorientierung. Es gibt einige, die sich wohl jeder selbst zuschriebt: Menschenkenntnis, Teamfähigkeit, Flexibilität. Oder kennen Sie jemanden, der sich selbst als nicht teamfähig beschreibt?

Wie viele es auch tatsächlich sein mögen: Soft Skills beschreiben immer Stärken, die beliebig untereinander kombinierbar sind, um ein Ergebnis zu erzielen. Das genau macht das Besondere aus: Auch wenn einzelne Soft Skills stark ausgeprägt sind und andere kaum vorhanden zu sein scheinen: deren ganz persönliche, individuelle Kombination ist ausschlaggebend für die erzeugte Wirkung. Lassen sich Soft Skills erlernen? Das ist eine gute Frage, auf die ich keine Antwort kenne. Wohl aber kann ich mit einer Erfahrung dienen: Ein erfolgreicher Mensch setzt seine individuell vorhandenen Soft Skills so ein, dass sie ihn in der Kombination voran bringen. Wer sich dagegen auf seine Defizite konzentriert, statt seine Stärken zu kombinieren, wird kaum erfolgreich sein. Selbst Kreativität im Finden von Entschuldigungen für ausbleibenden Erfolg hilft da nicht weiter.