Selbstverzwergung gilt nicht

Frisch gefeuert? Insolvenzverfahren? Aufhebungsvertrag, weil es einfach nicht funktioniert?
Welcher Grund auch immer – den Job zu verlieren nagt am Selbstwertgefühl, entwürdigt, stellt meine Zukunft in Frage. Da ist es nicht verwunderlich, wenn alle Gedanken um das kreisen, was man nicht hat – eine berufliche Perspektive, innere Ruhe, Selbstvertrauen.
Zudem zerfrisst der Jobverlust täglich 24 Stunden das Selbstbewusstsein – mein Arbeitgeber hat nein zu mir gesagt, schwarz auf weiß, unwiderruflich! Was bin ich noch wert?


Eine Phase der Arbeitslosigkeit ist kein unwiderrufliches Stigma

Viele langjährig erfolgreiche Menschen erwischt es, der Wirtschafts- und Finanzkrise geschuldet. Jobs gibt es kaum noch als Aufgaben fürs Leben. Schließlich ist lebenslanges Lernen ein Muss in allen Berufszweigen – vom (A)ufsichtsrat bis zum (Z)uarbeiter.
Kontaktaufnahmen von Menschen, die gerade ihren Job verloren hatten, gibt es in unserer Personalberatung trotz der aktuell guten Arbeitsmarktlage regelmäßig. Der Eine geht offensiv und ohne Umschweife mit der Entlassung um, der nächste lässt den Sachverhalt sozusagen zwischen den Zeilen durchblicken und bei einem Dritten erkennt man vielleicht an der kürzlich in eine private geänderten beruflichen eMail-Adresse, dass etwas im Busch ist.


Bewerbungsprozess: Arbeitslosigkeit offen ansprechen

Nutzen Sie die Zeit! Ich kenne arbeitslose Menschen, die ihren Tagesablauf nicht wesentlich gegenüber dem Angestelltenverhältnis ändern. Bewerbungen schreiben braucht Zeit, sogar recht viel Zeit. Daneben können Sie Ihr fachliches Können und Wissen auffrischen: durch Kurse und Weiterbildungsmaßnahmen, durch zeitlich befristete Tätigkeiten, die Sie vielleicht sogar mit neuen Aufgaben konfrontieren. Warum nicht vielleicht einen VHS-Kurs anbieten oder ein Ehrenamt annehmen, in dem Sie Ihr Wissen weitergeben?
Aber auch eine Auszeit, zum Beispiel die langersehnte Reise oder die intensive Beschäftigung mit Ihrem Hobby kann sich positiv auswirken: sie machen das Beste aus der Situation, beweisen Ihre Soft Skills. Durch ein schlüssiges Einbauen in Ihr Gesamtprofil verkaufen sich auch Auszeiten gut.


Bewerben Sie sich sorgfältig!

Schreiben Sie besser zehn gut recherchierte und überzeugend ausformulierte Bewerbungen als 50 halbherzige. Schießen Sie nicht auf jedes Jobangebot, das vor Ihnen auftaucht! Auch Richtungswechsel sind drin: stellen Sie Ihre Fähigkeiten schlüssig dar, so dass die Richtungsänderung einfach „dran“ ist. Und: bleiben Sie authentisch! Das bedeutet vor allem, dass Sie überzeugend darlegen können, warum Sie der/die Richtige für den Job sind, dass Sie kein kraftraubend rosiges Selbstbewusstsein vorspielen und offensiv mit Ihrer Situation umgehen. Arbeitslosigkeit ist kein Grund zur Selbstverzwergung.


Und das Geld?

Grundsätzlich können Sie auch aus der Situation der Arbeitslosigkeit heraus ein adäquates Gehalt erwarten. Wie immer brauchen Sie auch jetzt für Gehaltsverhandlungen Überzeugungskraft, müssen zum Argumentieren bereit sein – das braucht ein solides Selbstwertgefühl. Da hilft gute Vorbereitung: Machen Sie sich bewusst, was Sie dem potenziellen Arbeitgeber zu bieten haben. Lesen Sie die Stellenbeschreibung noch einmal, aus dessen Perspektive – das hilft! Und notieren Sie sich die Argumente, die für Sie sprechen. Lesen Sie sie immer wieder bis kurz vor dem Vorstellungsgespräch.

Und trotzdem – Sie fühlen sich wie Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen soll? Leider ist das Leben kein Cartoon. Wenn der Leidensdruck Sie hemmt, Sie einfach nicht vorwärts kommen: lassen Sie sich helfen! Es gibt gute Bewerbungscoaches, die Sie effektiv unterstützen können. Zumeist wird Ihnen ein kostenfreies Erstgespräch geboten, das Sie nutzen sollten – denn die Chemie muss stimmen. Bei Langzeitarbeitslosigkeit wird es heikel, wenn man die lange zeitliche Lücke nicht mehr mit guten Argumenten schließen kann. Spätestens dann ist Kompromissbereitschaft gefragt – die Kreativität dazu wird oft im Austausch mit einem Coach geboren.