Schönen Urlaub!

Es war einer dieser raren Frühsommerabende 2013, an dem mein Mann und ich mit Freunden im Garten beim Grillen saßen. Unsere Pläne für den Sommerurlaub waren da ein naheliegendes Thema. Sommer, Sonne, Strand, Erholung… Aaah, Erholung…!
Erholung – was ist das eigentlich? Wann bin ich wirklich erholt? Muss das zwangsläufig bedeuten, dass man erst in den Flieger steigt, sich am Strand braun bruzzeln lässt und die Tiefe der Bräunung anschließend vom sozialen Umfeld mit dem Grad der Erholung gleichgesetzt wird?

Entschleunigung ist toll – aber erholungstechnisch das diametrale Gegenteil von stundenlangem Imstaustehen auf dem Weg in den Süden. Weiße Maledivenstrände haben was, aber sind sie wirklich die Schlaucherei aus Massenabfertigung am Flughafen, Sardinenbüchsenfeeling im Flieger und Dauergrummeln im Bauch durch fremdländische Wasseraufbereitung wert?
Der Himmel ist in Griechenland viel blauer, die Sonne verlässlich. Ganz, ganz dicke Pluspunkte in Sommer 2013! Dann aber die plärrenden Bewohner im Nachbarzimmer des Hotels vom letzten Jahr, die Quallen am toskanischen Strand vom vorletzten oder der Dauersonnenbrand  vom Segeltörn im Mittelmeer? Allesamt Erholungsbremsen, die in keinem Katalog stehen, die den Urlaub aber mit konstanter Boshaftigkeit vermiesen, wenn man erst einmal vor Ort ist.

Und was, wenn nicht? Wenn wir einfach mal zuhause bleiben? Ungestört ausschlafen, das ultimative Lieblingsfrühstück morgens um elf  – oder doch eine Radtour mit Einkehr im Lieblingsbiergarten auf Grafenwerth? Freunde treffen, die man schon eeewig(!)  nicht mehr gesehen hat und endlich die Tageswanderung in der Eifel! Zeit haben, tun, worauf man jetzt gerade Lust hat, ganz spontan und aus der Laune heraus. Wir sparen uns das Kofferpacken und bedienen uns aus dem Vollen – aus dem kompletten Kleiderschrank, essenstechnisch aus dem liebevoll mediterran bestückten Kühlschrank oder dem ultimativen Lieblingspizzaservice. Hemmungsloses Shoppen ist auch drin, ohne das der Koffer auf dem Rückweg zu platzen droht. Eins ist sicher: dieser Urlaub hat keine Vorlaufzeit, ist ein, zwei Tage länger.

Ein bisschen kleinlaut wurden wir dann aber doch und das lag bestimmt nicht nur an dem kühlen Wind, der im Sonnenuntergang aufkam. Der Nachbar hatte gerade seinen Bassbooster aufgedreht und uns unsanft in die Realität zurückgeholt. Und was ist, wenn es so weiterregnet? Schwimmen gehen würden wir trotzdem, im Freibad brauchen wir keine Quallen zu fürchten. Und an der Pinnwand wartet schon seit April der Zeitungsausschnitt mit der Irokesen-Ausstellung. Mein Mann würde seine Holzsegelschiffe endlich mal zuende bauen können.

Inzwischen war es komplett dunkel, auch der Grill war uns keine Erleuchtung mehr. Also haben wir unsere Rotweingläser geschnappt, sind ins Haus gegangen und haben eine ausgiebige Runde Tabu gespielt. Kennen Sie das? Das sollten sie mal versuchen. Wir haben so laut gelacht, dass auch die Nachbarn garantiert noch was davon hatten.