Weg mit dem Problembewusstsein

Kennen Sie das? Beim Spazierengehen überqueren Sie einen Waldbach auf einem knorrigen Baumstamm und finden das ganz lustig. Bis jemand von hinten ruft: „Guck bloß nicht nach unten!“ Was passiert? Sie gucken nach unten, nur für einen winzigen Mini-Augenblick, also eigentlich fast gar nicht. Das wirkt: der Baumstamm wird zum Wackelpudding, Ihr Gleichgewichtssinn entschwindet ins Nirwana, die Arme rudern, Sie winden sich, verzweifeln und landen im Bach – todsicher. Haha.
Wahrscheinlich wären Sie ohne den nett gemeinten Hinweis souverän am anderen Bachufer angekommen. Der Kopf weiß es eigentlich besser, aber der wurde gerade einflusstechnisch ausgeknipst: Zweifel, negative Bilder und Unsicherheit haben in Sekundenbruchteilen das Ruder übernommen.


Gut gemeinter Hinweis mit verheerender Wirkung

Viele Kandidaten beherrschen diese Technik in ihren Bewerbungen perfekt. Formulierungen  wie „mit meinen 52 Jahren bin ich der erfahrene Best-Ager…“, oder „Mir ist bewusst, dass ich aufgrund meines Werdeganges auf Vorbehalte stoßen kann…“, lenken den Leser, in der Regel den Personalentscheider, auf die völlig falsche Fährte.
Er will wissen, was Sie können!  Mit Problembewusstsein dieser Art gewinnen Sie keinen Blumentopf, schon gar keine Einladung zum Vorstellungsgespräch.


Sagen Sie, was Sie können, was Sie gerne tun. Ihr Alter steht irgendwo, unter ferner liefen. Das wird der Personalentscheider schon finden, er hat den Blick dafür. Aber eigentlich interessieren ihn ganz andere Dinge – Fakten, in denen sich Ihre Kompetenz widerspiegelt.
Gehen Sie sachlich mit vermeintlichen Schwächen um, damit Ihre Bewerbung nicht ins Wasser fällt. Hier sind vorgreifende Entschuldigungen fehl am Platz.





Der besseren Lesbarkeit halber verwenden wir in diesem Text in Personen- und Funktionsbezeich­nungen die männliche Form. Sie gelten sinngemäß auch in der weiblichen Form.