Perspektivwechsel

Wandern gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Im Gehen sortieren sich Gedanken viel besser, Lösungen finden sich leicht und ohne viel Mühe.

Vor einiger Zeit war ich mit Freunden im Westerwald unterwegs und kam mit einem 54jährigen Manager ins Gespräch, der sich liebend gerne beruflich verändern wollte. Aber in seinem Alter…! Das klang schon fast nach Gebrechen. Zugegeben – zwischenzeitlich hatte er sich auch mal in eine berufliche Sackgasse manövriert. Aber als roter Faden zieht sich der Problemlöser und Macher durch seinen Werdegang: Drei Neuaufbau-Situationen in unterschiedlichen Branchen, durchsetzt mit Problemen, bis nahe ans Scheitern – allesamt mit Witz und Umsicht aus dem Weg geräumt.

Aus der wandernden Not geboren – schließlich lässt sich im Gehen schlecht schreiben – bastelten wir miteinander an einer dreiminütigen Elevator Pitch, was ihm zunehmend Spaß machte. Es fand es nicht einfach, seinen Erfahrungsschatz auf das Wesentliche zu reduzieren, sortierte immer wieder um, verwarf und ergänzte. Wie es beim Wandern im Hügelland leicht passiert, wurden wir mehrfach getrennt, andere Gesprächskonstellationen fanden sich. Zwischendurch immer mal still und nachdenklich, griff er den Faden dann wieder auf und spann ihn weiter.
Seine Berufsjahre lieferten genug Stoff, um die drei Minuten randvoll zu packen. Am Ende waren nur noch die Rosinen aus Können und Erfahrung übrig. Vor lauter Aussortieren, Trennen von Wesentlichem und Unwesentlichem war das Thema Alter zur Belanglosigkeit geworden. Und das ist gut so, die Rolle steht ihm besser.