Können Sie eigentlich PowerPoint?

Heute plaudere ich mal aus der Personalberatungspraxis: Was haben die Teamleiterin, ein Account Manager, der IT-Projekteiter und eine GF-Assistentin gemeinsam? Irgendwann, früher oder später, wird jeder von ihnen eine Präsentation erstellen.
In anderen Worten: In der Stellenbeschreibung für alle diese vier Positionen findet sich diese oder eine ähnliche Formulierung:

„Sie verfügen über sehr gute PowerPoint-Kenntnisse“

Was sind eigentlich “sehr gute Kenntnisse”? 

Ohne weitere Details verbindet man das praktisch mit Eigenschaften wie diesen: die Menüpunkte rauf und runter zielsicher ansteuern, alle Tipps und Tricks aus dem effeff kennen, wie sich der Folienwechsel gestalten und Bildelemente ein- und ausfliegen lassen. Wer das beherrscht, kann nicht nur PowerPoint, sondern demzufolge auch einen Punkt verbuchen auf dem langen Weg zum idealen Bewerber.
Ein Mythos, behaupte ich. 

Wer das mitbringt, wird zwar Folien schneller erstellen als jemand, der die Menüpunkte erst mühsam durchsuchen muss, bis er findet, was er braucht. Aber ist das Ergebnis deswegen besser? Denn nur ganz selten wird einer der vier oben genannten Mitarbeiter Präsentationen im Akkord erstellen.

 

Können differenziert benennen

Um eine gute Präsentation zu erstellen, braucht es ganz andere Kompetenzen:      

  • Zündende Botschaften formulieren können. Denn ein Händchen für starke Texte ist eine wertvolle Gabe, die sich quer über alle Fakultäten und Ausbildungsgänge finden lässt.
  • Die verbalen Botschaften sinnvoll ins Bild setzen und visuell untermauern zu können. Ein bisschen Kreativität schadet nicht. Ein Hang zum Unterbringen aller wissenschaftlichen Belege auf Din A4 dagegen schon.
  • Wissen um das menschliche Aufmerksamkeitsverhalten. Dazu braucht man kein Psychologiestudium. Humor, Rhetorik und Pfiff tragen weit, Extrovertiertheit hilft, ohne Frage.
  • Ein paar ganz grundlegende Marketing-Kenntnisse (ja, auch in der Darstellung von Forschungsergebnissen für Techniker), damit die Botschaften über die ganze Präsentation hinweg ankommen und sich verankern.

 

Fehler potenzieren sich

Wenn das so ist, dann die Frage da oben doch wohl falsch! Das ist tragisch. Die Folge wäre fatal, lehrt die Personalberatungspraxis. Denn wenn die Frage falsch ist, werden die Antworten logischerweise auch falsch sein. Falsche Bewerber eingeladen, die gar nicht anders können als im Interview zu floppen und anschließend eine freundliche, aber nichtssagende Absage bekommen. Geeignete Kandidaten könnten zwar schon in der Masse der eingehenden Bewerbungen stecken, ihr Potenzial bleibt bei diesem Vorgehen unentdeckt. Zumindest solange, bis jemand zum Kern der Sache vordringt: 

„Sie verstehen sich darauf, auch komplexe Sachverhalte in unterhaltsamen Präsentationen so darzustellen, dass Ihre Zuhörerschaft unmittelbar erfasst, worum es geht. So ebnen Sie jederzeit den Weg zu zielführenden Dialogen mit Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern.“  

 

Darum geht es wirklich

Im Interview lässt sich die Spreu vom Weizen trennen mithilfe von drei mittelmäßigen Folien, in denen Verbesserungspotenzial aufgezeigt werden soll. Muss die handwerkliche Kompetenz ergründet werden, reicht es, eine Folie tatsächlich korrigieren zu lassen. Das ist in zehn Minuten erledigt.  Was ist, wenn der Bewerber Office 2003 kennt, aber mit 2013 arbeiten soll? Oder er gar “nur” die Open Office-Suite beherrscht? Kein Problem, denn Toolkenntnisse lassen sich schnell aufbauen. Vor allem dann, wenn die vorgelegten Arbeitszeugnisse durchweg die Eigenschaften hohe Lernbereitschaft und Motivation ausweisen. Keine Sorge. Die Personalberatungspraxis weiß: Hier schlummert das richtige Potenzial.