Persönlichkeit braucht Zeit

Nach dem Abitur in Minimalstudienzeit zum erstklassigen Abschluss, drei Karriereschritte in sechs Jahren bis zur zweiten Führungsebene im Konzern. Wow! „Das ist ein ganz Straighter!“ Aber ist das der ideale Werdegang?
Persönlichkeitsentwicklung braucht Zeit. Wer durchs Studium hetzt, am Karrierestart genauso weitermacht und beim beruflichen Aufstieg Zeitrekorde bricht, nimmt sich selbst viele Möglichkeiten.

Warum also nicht ein, zwei Jahre Auszeit für Reisen, Arbeiten bei einer Non-Profit-Organisation oder auch für ein paar Semester „fachfremd“ verwenden?  Auch wenn sich der rote Faden eines solchen Lebenslaufes von außen nicht sofort erkennen lässt, ein Manko ist das nicht. Überzeugung lässt sich immer gut verkaufen. Wen die Sehnsucht nach der einen oder anderen Auszeit packt, der tut sich einen Gefallen, ihr nachzugeben. In anderen Teilen der Welt sind solche Sabbaticals ein üblicher Teil des Werdeganges.

Solche Sehnsucht kommt nicht von ungefähr. Wissbegierde, Kreativität und Unzufriedenheit mit dem Istzustand lassen sich nicht einfach unterdrücken wie ein Nieser. Nachgeben macht glücklich. Viele Innovationen haben solche Menschen zu Vätern/Müttern, die unbeirrt quergedacht haben.

Unternehmen brauchen Querdenker und Quereinsteiger. Menschen, deren Kompetenzen eben nicht straight zum Thema passen, sondern die durch andere Denkweisen und abweichende Wahrnehmung das Team bereichern. Solche heterogenen Teams funktionieren nicht reibungsfrei, aber schließlich erzeugt Reibung Wärme. Und in dieser Wärme gedeihen ganz andere Ideen als in steriler Expertise.

Das Rentenalter beginnt immer später, wir werden alle immer älter. Work-Life-Balance ist derzeit sogar Berufsstartern wichtiger als Maximalgehälter. Selbstverwirklichung braucht Zeit. Geben wir sie ihr.