Neues Angebot für Jobwechsler: Xing ProJobs

Seit heute biete Xing ein neues Leistungspaket für Jobsuchende an: Xing ProJobs.

Hinter dem Namen verbirgt sich eine Erweiterung des Profils, das von Basis- aber auch von Premiummitgliedern zugebucht werden kann. Xing bewirbt dieses neue Paket mit der Aussage, dass durch ProJobs Karrieremachen durch maximale Sichtbarkeit gegenüber Personalentscheidern vereinfacht werde.

Xing ProJobs

Was bietet Xing ProJobs?

Mit ProJobs können auch Basismitglieder für einen Zeitraum von 6, 12 oder 18 Monaten die Vorteile des Premium-Accounts nutzen. Dieser umfasst 51 Features, die auf der Werbeseite

(www.xing.com/upsell/projobs?reagent=uplt_211) übersichtlich aufgelistet sind. Dazu nennt Xing fünf weitere, speziell auf die diskrete Jobsuche abgestimmte Zusatzleistungen, identisch für Basis- und Premiummitglieder. Mit diesen Features können Jobsuchende ihre Wechselabsicht einem handverlesenen Publikum sichtbar machen. 

Feinabgestimmte Sichtbarkeit

Die Sichtbarkeit der unter ProJobs angelegten zusätzlichen Informationen scheint sich primär an die Recruiter und Personaler zu richten, die den hochpreisigen Xing Talentmanager nutzen, ist diesen aber nicht vorbehalten. Aktuell nutzen laut Aussage von Xing rund 3.000 Personen den Talentmanager. Zu diesen kommen Personen aus dem eigenen Kontaktnetzwerk, die auf Wunsch einzeln freigeschaltet oder gesperrt werden können. So kann der jobsuchende Xing-Nutzer den eigenen Arbeitgeber, aber auch andere, beliebige Personen explizit ausschließen. Dazu muss er bzw. sie nicht einmal wissen, ob die ausgeschlossene Person Nutzer des Talentmanagers ist – das regelt Xing. Diese Personen sind dann vom Zugriff auf diese Daten komplett blockiert. So erfährt der eigene Arbeitgeber eben nicht, dass ein Mitarbeiter auf Jobsuche ist. Damit macht Xing einen genialen Schachzug, den Konkurrenten wie LinkedIn oder Experteer so nicht bieten. Hier liegt eine Stärke des neuen Angebotes. Recruitern und Personalern wird so ein exklusiver Zugang zu Bewerberinformationen geboten, den es mit dieser Vertraulichkeit für Bewerber so noch nicht gibt. 


Ob und inwieweit eigenen Kontakten ein Einblick in die Wechselabsicht gewährt wird, ist eine weitere Stellschraube, an der gedreht werden kann. So kann gleichzeitig das eigene Netzwerk  in Richtung des verdeckten Arbeitsmarktes genutzt werden. Grundsätzlich bietet Xing auch die Option, Nichtkontakten den Zugriff auf die ProJobs-Daten zu geben. Dieses Feature hat sich mir nicht direkt erschlossen, denn diese Option dürfte nahezu gleichbedeutend sein mit dem Verzicht auf das Paket.

Zusätzliche Profil-Informationen und vertrauliche Bewerbungsdokumente

Im Lebenslauf-Abschnitt des Xing-Profils können zusätzliche Informationen hinterlegt werden, die der Allgemeinheit verborgen bleiben und nur zugelassenen Nutzern zugänglich sind. So kann theoretisch ein auf Minimaldaten reduziertes allgemein zugängliches Profil für eine spezifizierte Zielgruppe zu einem stark aussagefähigen Werbemittel in eigener Sache werden.


Neben den direkt im Profil eingebauten Informationen können weitere Dokumente (Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, Arbeitsproben) hinterlegt werden – ihre Sichtbarkeit ist ebenfalls nur zugelassenen Nutzern vorbehalten.

Wer darf meine Kontaktdaten sehen? Wann möchte ich angesprochen werden?

ProJobs-Kontaktdaten können unabhängig von allgemeinen Kontaktdaten definiert werden, so dass beispielsweise eine besondere Mobilrufnummer oder eine spezielle eMail-Adresse für Personaler-Kontakte angegeben werden können. Darüber hinaus kann ein Bewerber für ihn günstige Anrufzeiten definieren und braucht zukünftig Anrufe in der Öffentlichkeit des Arbeitsplatzes nicht mehr zu fürchten. Ein weiteres nützliches Feature, das so kein Wettbewerber anbietet.

Mit ProJobs-Zusatzleistungen angereicherte Profile werden laut Xing prominenter platziert in der Anzeige von Suchergebnissen. Es sind nun dort nicht mehr diejenigen Treffer ganz oben aufgelistet, die die höchste Passgenauigkeit zu gewählten Suchkriterien aufweisen, sondern bezahlte. Für Jobsuchende mag das ein Motivationsfaktor für ein ProJobs-Abonnement sein, Recruiter dürfte das weniger überzeugen.

Ausblick

Xing kündigt zwei Erweiterungen an, die in Kürze folgen sollen: Nutzern von ProJobs werden demnächst Exklusivangebote von Jobs mit einem Jahresgehalt ab 50.000 Euro präsentiert, die Nutzern ohne diese Erweiterung nicht angeboten werden.

Mit CV Coach soll zudem ein professioneller Lebenslauf-Check angeboten werden, der von diesem Anbieter bereits heute für 29 bis über 200 Euro je nach Umfang angeboten wird. Wie das Preisgefüge im Zusammenhang mit ProJobs aussehen wird, wurde heute noch nicht bekannt gegeben.

Kosten

Basismitglieder gewinnen den vollen Premium-Leistungsumfang für den Zeitraum der ProJobs-Buchung. Wer Xing außerhalb der Jobsuche kaum nutzt, braucht sich so nicht langfristig zu binden und bleibt flexibel. Der Preis für das ProJobs-Zusatzpaket liegt nach der am 31.10. endenden Einführungsphase bei stolzen 29,90 Euro monatlich, wobei eine noch laufende Premium-Mitgliedschaft verrechnet wird. Wer als Basismitglied 30 Euro auszugeben bereit ist, mag bedenken, dass dieser Betrag sechs Premiummonaten in einem 24-Monate-Abo entspricht. 

Besonderen Augenmerk sollten Premium-Nutzer mit Altverträgen auf das Kleingedruckte richten: Nach Ablauf der ProJobs-Nutzungsphase setzt eine neue Laufzeit der Premium-Mitgliedschaft ein. Wer noch einen gültigen Altvertrag mit 20 Privatnachrichten pro Tag sein eigen nennt, dürfte diesen nach Ende des ProJobs-Abonnements zugunsten eines Vertrages mit 20 Privatnachrichten im Monat verlieren. 



Einschätzung

Wer einen neuen Job sucht, diese Tatsache aber unbedingt vor Kontakten und Kollegen verbergen will, bekommt mit Xing ProJobs eine gute Alternative. Dem ersten Eindruck nach ist das Paket durch die expliziten Ausschlüsse sogar dem gut ausbalancierten Diskretionslevel von LinkedIn überlegen. Hier sollte allerdings fein justiert werden, denn wer seine Kontakte über seine Jobsuche im Unklaren lässt, schränkt sein Erfolgspotenzial ein. Jeder Wechselwillige muss genau abwägen, ob und inwieweit er seinen persönlichen Kontakten Einblick in seine Jobwechselabsichten gewährt und sollte auch die Wirkung von Mundpropaganda, die irgendwann wieder bei Kollegen und Chefs ankommen könnte, nicht unterschätzen. Der Zugang zu den unter ProJobs-Schutz fallenden Daten lässt sich separat pro Feature-Gruppe regeln. Insgesamt stellt ProJobs ein recht komplexes, aufwändiges Angebot dar. Das überrascht, hat Xing doch gerade erst eine Reihe von gut eingeführten Features im Zusammenhang mit dem neuen Gruppenlayout wegen zu hoher Komplexität gestrichen.

Der Nutzerkreis des Talentmanagers ist mit aktuell 3.000 Personen (noch) relativ klein. Dieses Produkt ist in dem guten Jahr seit seinem Launch offensichtlich nicht zum Renner geworden. Ob ProJobs dazu beitragen wird, die vielfache Kritik am Talentmanager verstummen zu lassen, bleibt abzuwarten. Auf seiner Startseite wirbt Xing immerhin mit 70.000 aktiven Recruitern. Zumindest zu Beginn werden mit 67.000 die weit größere Mehrheit der Recruiter die speziellen Informationen von ProJobs nicht wahrnehmen und daher auch nicht nutzen können. Ob das die knapp 30 Euro pro Monat wert ist, muss jeder Jobsuchende für sich entscheiden. 

Die angekündigten Exklusiv-Jobangebote mögen verlockend klingen für diejenigen, die sich vom Arbeitsmarkt abgehängt fühlen: Hier könnte manch einer Nischenangebote vermuten mit einer gewollt geringen Konkurrenz im Kampf um die besten Arbeitsplätze. Mit erscheint deren Nutzwert für Arbeitgeber allerdings fraglich und damit auch die Motivation, solche Angebote überhaupt zu platzieren. Interessanterweise nennt Xing Headhunter als Urheber dieser Exklusiv-Jobangebote, nicht Arbeitgeber – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.


Hinter der professionellen Lebenslauf-Analyse erlaube ich mir ein dickes Fragezeichen zu setzen. Wer diese Analyse durchführt, bleibt dem Auftraggeber verborgen. Details zur Professionalität der analysierenden Personen gibt die Webseite von CV Check nicht. Die höchstmögliche Qualität eines CV hängt letztlich auch von der Passgenauigkeit ab, mit der ein Lebenslauf Bezug auf die individuellen Gegebenheiten einer einzelnen Vakanz nimmt. Eine Stellenbeschreibung fordert CV Check zur Erstellung der professionellen Analyse nicht an – nicht einmal in der teuersten Variante.