Faktencheck Lebenslauf: Optimaler Aufbau, optimaler Inhalt

Haben Sie sich schon länger nicht mehr beworben oder bewerben sich gerade zum ersten Mal? Im Internet gibt es eine ganze Menge guter Vorlagen, die man durchaus verwenden kann. Aber die richtige Struktur ist nur die halbe Miete. Am Ende überzeugt nur der Inhalt.

 

Welche Struktur soll der Lebenslauf haben?

Die Struktur ist wichtig, damit der Lebenslauf im Querlesen schon die wichtigsten Informationen liefert. Wichtige Fakten gehören deswegen dorthin, wo Personalentscheider sie erwarten. Ein gutes Muster für europäische Arbeitgeber liefert die Europass-Vorlage, die man sich herunterladen oder auf der Europass-Homepage gleich ausfüllen kann. So sieht dessen Struktur aus:

  • Ganz oben: Persönliche Daten, Kontaktdaten
  • Werdegang: zeitlich falschherum, „antichronologisch“ aufbauen. Mit heute beginnen, beim Berufseinstieg enden. Wer in Praktika Erfahrungen gesammelt hat, gibt sie auch hier an.
  • Ausbildungsverlauf: Studium und/oder Ausbildung, Schulabschluss
  • Weiterbildungen: Kann bei Berufseinsteigern fehlen
  • Sonstige Fachkenntnisse: durch Berufstätigkeit erworbene Spezialisierungen, für die angestrebte Position geforderte Sonderkenntnisse (z.B. Sprachen)
  • Sonstige Angaben: Hobbys, Ehrenämter, Veröffentlichungen, Projektliste, Ehrungen im Berufsleben. Was erforderlich ist, hängt von der angestrebten Position ab, aber auch von dem Bild, das der Bewerber von sich erzeugen möchte. Sind diese Angaben umfangreich, dann lohnt sich auch eine separate Anlage. Das ist häufiger der Fall bei Veröffentlichungen oder Projekterfahrungen.

 

Rein in den Lebenslauf oder besser weglassen?

Je länger die Berufstätigkeit, umso länger wird auch der Lebenslauf. Manchmal ist weniger mehr. Das gilt für Daten wie Hobbys, persönliche Familienstand, Geburtsdatum, politische oder religiöse Bindungen. Bei diesen Punkten hört man am besten auf das eigene Bauchgefühl: Was wird den Personalentscheider überzeugen, dass ich der passende Bewerber bin?

Falsch ist die Idee, dass Vollständigkeit und Präzision einen überzeugenden Lebenslauf ausmachen. Die Kunst liegt tatsächlich im Weglassen. Bei der Beschreibung der einzelnen Positionen des Werdeganges kommt es darauf an, was für die angestrebte Position wesentlich ist und den Personalentscheider überzeugen kann. Alle anderen Details können weg.

Warum ist das so? Wer einen Lebenslauf liest, sucht kein Geständnis. Auch nicht unbedingt nach dem berühmten roten Faden, wenn der auch manchmal im Vorstellungsgespräch gesponnen wird. Beim Lesen des CV geht es in erster Linie darum, ob der Bewerber passt. Alles, was diese Passung nicht belegt, kann weg. Der Personalentscheider will überzeugt werden, dafür ist der Lebenslauf da.

 

Was überzeugt?

Bleibt die Frage, wie sich diese Überzeugung erreichen lässt. Als Minimum gehört die Beschreibung des Aufgabenbereiches in jede Station des Werdeganges. Ansonsten kommt es auf die Ausprägung der Station an: Wer im Projektgeschäft arbeitet, sollte seine Rolle im Projekt nennen. Im Vertrieb geht es um Umsatzziele, im Management um erfolgreich umgesetzte Unternehmensziele. Am besten kommt eine Stichpunktliste an, eine über alle Stationen des Werdeganges einheitliche Struktur ist eine gute Idee. Je länger die Stationen zurückliegen, umso knapper darf die Beschreibung werden. Als Minimum reicht die Nennung der Aufgabe, ergänzt um den Bezug zur angestrebten Position – wenn es ihn tatsächlich gibt.

 

Stolperfallen im Lebenslauf

Stationen des Lebenslaufes lassen sich rollen- oder aufgabenbezogen darstellen. Beides wird öfters verwechselt. Wer die Inhalte einer Station mit Begriffen wie Prokura, Leitung von.. oder der Angabe von Teamgrößen spickt, wirkt Hierarchie-fokussiert. In der Regel kommt das schlechter an, als die Inhalte der Arbeit in den Vordergrund zu stellen.

Wer Lücken im Lebenslauf hat, neigt oft zum Verschleiern. Es ist immer besser, mit Lücken offen und ehrlich umzugehen. Fehler sind kein Beinbruch, Fehlentscheidungen bei der Arbeitgeberwahl ebenso wenig wie Zeiträume der Arbeitslosigkeit. Personalentscheider sind ausgesprochen findig, verschleierte Lücken zu enttarnen. Also lassen Sie sie gar nicht erst suchen.

Zeitangaben müssen stimmen. Sie werden als Angabe von Monat und Jahr erwartet. Stellen Sie sicher, dass diese Daten mit denen der Arbeits- und Ausbildungszeugnissen übereinstimmen. Dieser Vergleich ist eine der ersten Tests, die Ihr Lebenslauf bestehen muss.

 

Soll ich mich selbst bewerten?

In CVs des englischsprachigen Raumes ist es üblich, die eigenen Fähigkeiten anzupreisen. In deutschen Unternehmen kommt das nicht immer gut an. Denn die bei uns üblichen Arbeitszeugnisse tun das für Sie. Sollten Ihr Selbstbild und das Fremdbild der Arbeitszeugnisse auseinanderfallen, könnte das völlig unnötigerweise ein schlechtes Licht auf Ihre Bewerbung werfen.

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