Karrierekiller Studienabbruch?

Von der Schule gleich zur Hochschule, Bachelor, Master und nach dem Studienabschluss rein in die Karriere. So muss das sein.

Und was wenn nicht? Was passiert, wenn das Studienfach sich als Fehlentscheidung herausstellt, Noten und/oder persönliches Interesse sich eher gegen den Nullpunkt entwickeln als einen kometenhaften Aufstieg erleben?

Studienabbruch, ein nicht ganz seltener Fall. Mal vollzieht er sich als Big Bang, weil beispielsweise Punktezahlen oder Notenschnitt nicht reichen, Prüfungshürden zu hoch sind. Ein Studium bricht kaum jemand aber eben mal so ab. Oft ist es ein handfester persönlicher Grund, der sich mit der Zeit entwickelt. Das Interesse erlahmt, mal ist es der familiäre oder Freizeitbereich, aber nicht selten auch ein neben dem Studium “aus Spaß” aufgebautes Business, neben dessen Erfolg einfach keine Zeit – und damit auch kein Interesse – mehr geblieben ist, das Studium fortzusetzen.

In die Überlegungen mischt sich immer auch ein „was nun?“ ein. Die beruflichen Ziele sind nicht mehr auf geradem Weg erreichbar. Was ist das eigentlich: Karriere? Wo will ich hin, oder besser: welche Ziele sind nach dem Studienabbruch noch realistisch erreichbar?

Wer am Notenschnitt scheitert und deswegen sein Studium nicht abschließen kann, aber auf eine Führungskarriere nicht verzichten will, muss seinen weiteren Berufsweg feinabstimmen. Das braucht Zeit, mindestens genauso viel Einsatz und viel Durchhaltewillen. Ich habe schon eine ganze Reihe von Menschen kennen gelernt, die sich neben Familie mit Kleinkind(ern) im Teilzeitstudium und einem leistungsorientierten Job durchgebissen haben. Solche Werdegänge werden vielfach von Unternehmen geschätzt. Aber sie sind zweifellos hart, bedeuten Freizeitverzicht, der oft als Einschränkung der Lebensqualität empfunden wird. Ob da nicht vielleicht doch ein Durchbeißen durchs Studium die bessere Wahl gewesen wäre…

Wie weit kann ein Quereinsteiger kommen auf der Karriereleiter? Viele Unternehmen verzichten selbst dann nicht auf einen Studienabschluss als Musskriterium, wenn ein Bewerber zehn oder mehr Jahre an Berufserfahrung mitbringt. Oft sind auch die Aufstiegschancen langjähriger Mitarbeiter aus demselben Grund begrenzt, Einkommensgrenzen analog gezogen. Ist das noch gerecht? Schließlich tickt doch auch für die Aktualität universitären Wissens die Uhr.
Die Idee, dass ein Nichtakademiker als Führungskraft einem ausschließlich aus Akademikern bestehenden Team vorsteht, ist in vielen Unternehmen nicht denkbar. Im Kundenkontakt gilt oft Ähnliches. Ich kenne solche Beispiele aus USA, Italien, Frankreich, Großbritannien, Israel – nicht nur aus Deutschland. Vielleicht wird in Deutschland häufiger der fehlende Titel als Grund genannt, in anderen Ländern mag es die fehlende Vernetzung mit den “richtigen Leuten” sein.

Wer in unseren Breiten einen akademischen Abschluss in Händen hält, dem wird mit der Urkunde neben der fachlichen Kompetenz implizit auch eine akademisch geprägte Arbeitsweise zugebilligt – samt Selbstständigkeit, intrinsisch motivierter Einstellung und Leistungsbereitschaft. Wer dagegen mehrere Studienjahre samt überstandener Prüfungen über Bord wirft und auf den akademischen Abschluss verzichtet, dem wird ein Mangel es an Biss und Durchhaltewillen zugeschrieben. Vielleicht steckt sogar ein Körnchen Wahrheit in dieser schwarz-weißen Skizze, sie scheint einer weit verbreiteten Meinung zu entsprechen.

Die kurze Gerade zum Karriereziel führt über einen Studienabschluss, ohne Zweifel. Mit hohem Einsatz und guter Planung geht immer noch viel, aber nicht alles. Letztlich zählt, was unternehmensinterne Vorgaben zulassen. Offenbar sind diese auch in Zeiten des gefühlten Fachkräftemangels noch gesetzt.