Karriere und Heimat und der Weg dahin

An Lars Hahns gestrigem Post zum Thema Karriere und Heimat hat mich zuerst die erfrischend-andere Perspektive gefreut, dann hat er mich an eine junge Frau erinnert, die mir vor ein paar Wochen begegnet ist.

Anfang Dreißig, Erfahrung in Marketing, Vertrieb und Webdesign, sehr solide Arbeitszeugnisse, aber an all dem keinen Spaß. Sie weiß sehr gut, was sie nicht will, aber inzwischen vor allem, was sie will: nochmal von vorn, eine Ausbildung als
Tierpflegerin machen. Das will sie, ganz unbeirrbar und überzeugt, daran hängt ihr Herz. Sie hat ihre Heimat entdeckt. Und nun will sie ihr Herz in die Hand nehmen und sich auf den Weg dorthin machen.

Am Telefon klagt sie mir ihr Leid mit dem Formulieren einer Bewerbung. Das sei alles gar nicht so einfach, obwohl sie jetzt doch endlich klar sehe, was sie machen will. Sie schickt mir ihren Lebenslauf zu – er ist tatsächlich ziemlich, nennen wir es durchschnittlich, geschrieben (das sagt sie selbst), obwohl sie mir am Telefon überzeugend und voller Herzblut ihre Beweggründe geschildert hat. Also muss das doch gehen! Ihr Thema ist nicht wirklich mein Metier, aber sie hat mich mitgerissen und ich habe mich anstecken lassen – also ran ans Werk.

Aus unserem Gespräch am Telefon entsteht ein neuer Lebenslauf, mit einer Titelseite, die die Gründe für ihren Berufswechsel klar und deutlich herausstellt. Sehr menschlich, sehr konkret und ohne Worthülsen. Ein bisschen umgestellt, das Anschreiben dann noch entrümpelt und die Bewerbung geht auf den Weg.

Mit Zweiunddreißig einen Ausbildungsplatz zu bekommen, ist nicht einfach und die Hauptperson dieser Geschichte macht sich darüber keine Illusionen. In diesem ersten Versuch hat es übrigens nicht geklappt. Aber die Bewerbung ist auch nicht postwendend zurückgekommen. Bei einer weiteren Bewerbung steht sie nun sogar in der engeren Auswahl, das Verfahren läuft. Lichtblicke, Etappensiege vielleicht, aber ganz bestimmt Bewegung in die richtige Richtung.

Um in Lars Hahns Bild zu blieben: Diese junge Frau ist noch nicht in ihrer Heimat angekommen. Aber sie steht am Bahnhof, das Ticket in der Hand. Ihr Ziel ist klar, sie weiß, wohin ihre Reise geht. Sie wartet auf den richtigen Zug – geduldig in der Sicherheit, dass er kommen wird. Wo ihre Heimat ist, weiß sie ganz sicher.