Jobsuche mit Google: Active Job Search

Active Sourcing ist die moderne Strategie im Recruiting. Dahinter steckt die Direktansprache von Kandidaten über Social Media-Kanäle. Richtig gute Recruiter nutzen Google-Suchbefehle, die sogenannten Booleschen Befehle und wissen, wie sie Suchmaschinen steuern. Wer die Technik beherrscht, findet schnell, was er sucht. Das Active Sourcing ist viel effizienter als das Schalten von Stellenanzeigen. 

Das Prinzip ist gut, ich nutze es selbst gern und reichlich. Haben nicht auch Bewerber ein ähnliches Problem? Jobbörsen werden überschwemmt von Praktikumsangeboten, Headhunter suchen weit überwiegend Berufserfahrene. Weil Jobwechsler und Berufseinsteiger von dieser Technik ebenfalls profitieren können, will ich sie hier vorstellen. Zwar lassen sich alle Suchmaschinen verwenden, aber die Ergebnismengen fallen ein bisschen unterschiedlich aus. Die folgenden Beispiele benutzen Google, sie lassen sich genauso auch auf andere Suchmaschinen anwenden.

Dann also hier ein paar Tipps, wie ein “Active Job Search” aussehen kann:

Google kennt Operatoren, die alle mit einem Doppelpunkt enden. Deren Parameter werden dann direkt ohne Leerzeichen angeschlossen. Für Active Job Search lassen sich die folgenden gut verwenden:

Site: Durchsucht eine Webseite mit ihren Unterseiten.
Ist immer dann hilfreich, wenn ein bestimmtes Unternehmen im Mittelpunkt der Jobsuche steht, das einige Hundert Jobangebote auf seiner Webseite hat. Der site-Suchstring wird dann alle paar Tage oder jede Woche auf die Reise geschickt und findet neue, zu den Karrierezielen passende Angebote. Schon früher angesehene Jobangebote werden von Google farblich abgesetzt und oft auch mit dem Hinweis „zuletzt angesehen am …“ markiert.

Intitle: Durchsuchen des Webseitentitels
Hier können Jobtitel oder Themenbereiche stehen. Beispiele sind „Fachkraft für“, „Vertrieb“, „Entwickler“, „Teamleiter“

Inurl: Durchsuchen der Webadresse
Das Ziel unserer Suche sind die Karriereseiten von Firmen. In deren URL finden sich immer wieder die Begriffe „karriere“ „jobs“ „stellen“, „stellenangebote“ oder ähnliches. Wer schon eine Weile auf Jobsuche ist und ein wenig auf die Webadresszeile achtet, kann diese Liste leicht ergänzen.

filetype: erkennt Dokumenttypen wie PDF und die MS Office-Dokumentformate
Da die meisten Jobangebote als PDF-Datei abgelegt werden, kann diese Suche Stellenbeschreibungen finden, die auf der Webseite in Textdateiform abgelegt sind.

 

Gestalten der Suchbegriffe

Google bietet Platzhalter an, damit ähnliche und sinnverwandte Begriffe nicht alle separat eingegeben werden müssen. Beispiele:

Anführungszeichen
Werden mehrere Begriffe hintereinander aufgeführt, nimmt Google an, dass sie entweder als Kombination oder auch einzeln interessant sind. In Anführungszeichen gesetzt, weiß Google, dass genau diese Folge gemeint ist. „Arzt für Allgemeinmedizin“ liefert nur Treffer, die genau diese Zeichenkette aus drei Worten enthalten. Ohne die Anführungszeichen erscheinen auch zum Beispiel andere ärztliche Fachrichtungen im Ergebnis, aber auch andere Treffer rund um die Allgemeinmedizin. 

Das Sternchen *
„Fachkraft für“ erscheint oft als „Fachkraft (m/w) für“. Beide erfasst „Fachkraft * für“ Das Sternchen ist ein Platzhalter für eine beliebige Anzahl von Zeichen innerhalb einer Zeichenkette.

Ausschlüsse
Mit einem direkt ohne Leerzeichen vorangestellten Minuszeichen erkennt Google dass der folgende Begriff aus der Treffermenge ausgeschlossen werden soll. Ein –München liefert alle Treffer, außer denen in München. Ein –Consulting eliminiert alle Jobs in Unternehmensberatungen.

Synonyme
Mit der vorangestellten Tilde (~) wird Google angewiesen, nicht nur genaue Treffer, sondern auch Synonyme aufzulisten. ~Energie liefert auch Energy zurück, ~Fernsehen erkennt auch TV. Je stärker Suchmaschinen die semantische Suche (Natursprachlichkeit) unterstützen, umso mehr wird die Tilde überflüssig. Bei Google verzichte ich inzwischen komplett darauf.

AND, NOT und OR
Diese Booleschen Operatoren werden ebenfalls mehr und mehr überflüssig, je stärker sich die Suchmaschinen der natürlichen Sprache annähern. Es ist inzwischen möglich, ganze Sätze einzugeben, wie „ich suche ein Sushi-Restaurant in der Nähe des Hamburger Hafens“. Bei Schreibfehlern fragt Google oft „Meinten Sie…?“ Der Hintergrund und die genaue Ausdifferenzierung einer Suche mit oder ohne Boolesche Operatoren ist etwas für Experten, zumal sich die Suchmaschinen in diesem Bereich gerade stark verändern. Wir gehen mal von der semantischen Suche aus und nähern uns deren Möglichkeiten mit ein paar Beispielen an.

 

Tiefer einsteigen

Bis jetzt mag Active Job Search einfach klingen, fast wie ein Kochrezept. Hinter den einfachen Regeln gärt es aber. Damit der Einstieg in die Suche nicht gleich zum Drama wird, kommen jetzt noch ein paar praktische Tipps dazu.

Der Weltkonzern Henkel hat auf seinen Karriere-Seiten einige Hundert internationale Jobangebote. Das Unternehmen ist unter henkel.de zu finden. Sucht man darunter nach Jobangeboten, bleibt die Treffermenge so gut wie leer – ein wenig Karriere-Prosa, aber keine Jobs.

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Henkel hat eine eigene Domain geschaffen, unter der sich alle Jobangebote weltweit befinden. Dort lassen sich einzelne Berufsbilder komfortabel herauspicken:

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Da die gezielte Suche nach einem Arbeitgeber dessen Besonderheiten leicht mit einbeziehen kann, reicht es, die Browserzeile mit offenen Augen wahrzunehmen, um solchen Besonderheiten auf die Spur zu kommen.

Der wesentliche häufigere Fall bei der Jobsuche ist eine räumlich begrenzte Suche nach einem bestimmten Berufsbild. Dabei ist die Treffermenge oft unhandlich groß – wie hier:

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Wer mag schon 1260 Jobangebote durchsuchen? Blendet man Jobportale mit einem vorangestellten Minuszeichen aus, wird der Aufwand überschaubar bis handlich:

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Anderes Beispiel – ein detailliertes Jobprofil, ohne regionale Einschränkung. Google findet keine genaue Übereinstimmung mit der Suche und sagt das auch deutlich. Dann aber werden sehr ähnliche Treffer aufgelistet – für die Jobsuche passen sie gut genug, dass sich ein Ansehen lohnt.

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Google merkt sich alle schon früher ausgeführten Suchen. Sie lassen sich mit Bordmitteln einfach wieder abrufen und neu verwenden: Kürzlich ausgeführte Suchen werden über die Autovervollständigen-Option des Eingabefeldes angezeigt, sobald ein paar Buchstaben eingegeben sind. Diese Funktion kann explizit aktiviert oder deaktiviert werden.

Alternativ können Suchen auch auf der Festplatte abspeichert werden. Word & Co bieten sich dazu nicht an, da Textverarbeitungssysteme Steuerzeichen einfügen, die beim Neuaufruf im Browser hinderlich sind. Excel und Access (rtf-Format) sind da schon besser. Oder Editoren im reinen txt-Format wie Notepad++ oder auch das Windows-Notepad.

 

 

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