Active Job Search – Der ultimative Tipp zur Jobsuche über Google & Co

Active Jobsearch

Active Sourcing ist das (Er-)Schlagwort der Recruiter-Zunft des Jahres 2014. Dahinter steckt das Suchen und Finden von Kandidaten, ohne dass Jobinserate im Spiel sind. Statt Stellenangebote zu posten und dann auf Rückläufer zu warten, krempelt der actively sourcende Recruiter die Ärmel hoch und durchsucht Xing, LinkedIn, Stepstone oder eben auch gleich Google nach passenden Kandidaten. Schließlich will man Fachabteilungen und externe Mandanten auch in Zeiten des Fachkräftemangels mit gleichbleibend gutem Service beglücken, auch wenn Rückläufer auf Inserate erschreckend deutlich gegen Null tendieren. 

Das Prinzip ist gut, ich nutze es selbst gern und reichlich. Haben nicht auch Bewerber ein ähnliches Problem? Jobbörsen werden überschwemmt von Praktikumsangeboten, Headhunter suchen weit überwiegend Berufserfahrene. Warum sollte die internetaffine Generation Y (genau – das Erschlagwort-Phänomen existiert auch auf dieser Seite) nicht gleich ihre ganze Kompetenz ins Feld führen und dasselbe tun bei der Suche nach dem Berufseinstieg? Unbedingt (die Frage war rhetorisch). 

Grundsätzlich lassen sich alle Suchmaschinen verwenden, auch wenn die Ergebnismengen unterschiedlich ausfallen. Die folgenden Beispiele benutzen Google, sie lassen sich genauso auch auf andere Suchmaschinen anwenden. Deswegen kann der Begriff Google, wo immer er ab hier auftaucht, durch jede andere Suchmaschine ersetzt werden.

Dann also hier ein paar Tipps, wie Active Job Search aussehen kann:

Google kennt Operatoren, die alle mit einem Doppelpunkt enden. Deren Parameter werden dann direkt ohne Leerzeichen angeschlossen. Für Active Job Search lassen sich die folgenden gut verwenden:

Site: Durchsucht eine Webseite mit ihren Unterseiten.
Ist immer dann hilfreich, wenn ein bestimmtes Unternehmen im Mittelpunkt der Jobsuche steht, das einige Hundert Jobangebote auf seiner Webseite hat. Der site-Suchstring wird dann alle paar Tage oder jede Woche auf die Reise geschickt und findet neue, zu den Karrierezielen passende Angebote. Schon früher angesehene Jobangebote werden von Google farblich abgesetzt und oft auch mit dem Hinweis „zuletzt angesehen am …“ markiert. Diesen Komfort bieten Jobportale oder die auf pay-per-Klick optimierten Angebote von Xing, Indeed & Co nicht.

Intitle: Durchsuchen des Webseitentitels
Hier können Jobtitel oder Themenbereiche stehen. Beispiele sind „Fachkraft für“, „Vertrieb“, „Entwickler“, „Teamleiter“

Inurl: Durchsuchen der Webadresse
In den URLs von Unternehmens-Karriereseiten finden sich immer wieder die Begriffe „Karriere“ „Jobs“ „Stellen“, „Stellenangebote“ oder ähnliches. Wer schon eine Weile auf Jobsuche ist und ein wenig auf die Adresszeile seines Browsers achtet, kann diese Liste leicht ergänzen. 

filetype: erkennt Dokumenttypen wie PDF und die MS Office-Dokumentformate
Da die meisten Jobangebote als PDF-Datei abgelegt werden, kann diese Suche Stellenbeschreibungen finden, die auf der Webseite in Textdateiform abgelegt sind. 

Gestalten der Suchbegriffe

Google bietet Platzhalter an, damit ähnliche und sinnverwandte Begriffe nicht alle separat eingegeben werden müssen. Für den Active Job Search eignen sich besonders:

Anführungszeichen
Werden mehrere Begriffe hintereinander aufgeführt, nimmt Google an, dass sie entweder als Kombination oder auch einzeln interessant sind. In Anführungszeichen gesetzt, weiß Google, dass genau diese Folge gemeint ist. „Arzt für Allgemeinmedizin“ liefert nur Treffer, die genau diese Zeichenkette aus drei Worten enthalten. Ohne die Anführungszeichen erscheinen auch  andere ärztliche Fachrichtungen im Ergebnis, aber auch andere Treffer rund um die Allgemeinmedizin.  

Das Sternchen *
„Fachkraft für“ erscheint oft als „Fachkraft (m/w) für“. Beide erfasst „Fachkraft * für“ Das Sternchen ist ein Platzhalter für eine beliebige Anzahl von Zeichen innerhalb einer Zeichenkette. 

Ausschlüsse
Mit einem direkt ohne Leerzeichen vorangestellten Minuszeichen erkennt Google, dass der folgende Begriff aus der Treffermenge ausgeschlossen werden soll. Ein –München liefert alle Treffer, außer denen in München. Ein –Consulting eliminiert alle Jobs in Unternehmensberatungen. 

Synonyme
Mit der vorangestellten Tilde (~) wird Google angewiesen, nicht nur genaue Treffer, sondern auch Synonyme aufzulisten. ~Energie liefert auch Energy zurück, ~Fernsehen erkennt auch TV. Je stärker Suchmaschinen die semantische Suche (Natursprachlichkeit) unterstützen, umso mehr wird die Tilde überflüssig. Bei Google verzichte ich inzwischen komplett darauf. 

AND, NOT, OR
Diese Booleschen Operatoren werden ebenfalls mehr und mehr überflüssig, je stärker sich die Suchmaschinen der natürlichen Sprache annähern. Es ist inzwischen möglich, ganze Sätze einzugeben, wie „ich suche ein Sushi-Restaurant in der Nähe des Hamburger Hafens“. Google liefert dazu Treffer von der Güte der Hamburg Tourist Information. Bei Schreibfehlern fragt Google oft „Meinten Sie…?“, vermutet eine Antwort und liefert gleich die aus Google-Sicht besten vermeintlichen Ergebnisse. Der Hintergrund und die genaue Ausdifferenzierung einer Suche mit oder ohne Boolesche Operatoren ist etwas für Experten, zumal sich die Suchmaschinen in diesem Bereich gerade stark verändern. Wir gehen mal von der semantischen Suche aus und nähern uns deren Möglichkeiten mit ein paar Beispielen an.

Bis jetzt mag Active Job Search einfach klingen, fast wie ein Kochrezept. Hinter den einfachen Regeln gärt es aber. Damit der Einstieg in die Suche nicht gleich zum Drama wird, kommen jetzt noch ein paar praktische Tipps dazu.

Der Weltkonzern Henkel hat auf seinen Karriere-Seiten einige Hundert internationale Jobangebote. Das Unternehmen ist unter henkel.de zu finden. Sucht man darunter nach Jobangeboten, bleibt die Treffermenge so gut wie leer – sie liefert ein wenig Karriere-Prosa, aber keine Jobs: 

GoogleSuche1

Henkel hat für seine weltweiten Jobangebote eine eigene Subdomain geschaffen. Dort lassen sich einzelne Berufsbilder komfortabel herauspicken:

GoogleSuche2

Da die gezielte Suche nach einem Arbeitgeber dessen Besonderheiten leicht mit einbeziehen kann, reicht es, die Browserzeile mit offenen Augen wahrzunehmen, um solchen Besonderheiten auf die Spur zu kommen.

Der wesentliche häufigere Fall bei der Jobsuche ist eine räumlich begrenzte Suche nach einem bestimmten Berufsbild. Dabei ist die Treffermenge oft unhandlich groß – wie hier:

GoogleSuche3

Wer mag schon 1260 Jobangebote durchsuchen? Da hilft ein einfacher Trick: Viele Unternehmen präsentieren ihre Stellenangebote über Jobportale. Das, was in Jobportalen zu finden ist, findet sich auf den Karriereseiten der Unternehmen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genauso wieder. Ausnahmen sind höchstens bereits besetzte Stellen, die in Jobportalen wegen noch nicht ausgelaufener Platzierungsverträge noch für eine gewisse Zeit vorhanden sind. Für die eigene Jobsuche sind sie absolut verzichtbar. Also werden Jobportale sinnvollerweise ausgeblendet, indem  jedem einzelnen Namen ein Minuszeichen vorangestellt wird. So wird der Aufwand überschaubar bis handlich, die Suche effizienter. Da macht es nur wenig, wenn noch einzelne Jobportale wie in diesem Beispiel übrig bleiben:

GoogleSuche4

Ein anderes Beispiel – ein detailliertes Jobprofil, ohne regionale Einschränkung. Google findet keine genaue Übereinstimmung mit der Suche und sagt das auch deutlich. Dann aber werden sehr ähnliche Treffer aufgelistet – für die Jobsuche passen sie gut genug, dass sich ein Ansehen lohnt.

GoogleSuche5

Eine gute Ergänzung zur Suche mit den Operatoren inurl: oder intitle: ist die Suche per filetype:PDF. Zwar liegen Textdateien häufig in nicht von außen zugänglichen Bereichen von Unternehmensservern, die Stellenagenbots-Textdateien werden aber meistens auf öffentlichen Seiten abgelegt. Diese lassen sich gut finden, wenn die Jobbezeichnung durch eine in solchen Dokumenten häufige und charakteristische Floskel ergänzt wird:

GoogleSuche6

Wer genau hinschaut, dem fällt das “OR” in der Eingabezeile auf. Ohne das “OR” war die Treffermenge identisch. Hier fällt also schon der Boolesche Suchparameter unter den Tisch, Google optimiert von sich aus auf die Semantik der eingegebenen Begriffe.

Google merkt sich alle schon früher ausgeführten Suchbefehle. Sie lassen sich mit Bordmitteln einfach wieder abrufen und neu verwenden: Kürzlich ausgeführte Suchen werden über die Autovervollständigen-Option des Eingabefeldes angezeigt, sobald ein paar Buchstaben eingegeben sind. Diese Funktion kann explizit aktiviert oder deaktiviert werden.

Alternativ können so erzeugte Suchbefehle auch auf der Festplatte abspeichert werden. Word & Co bieten sich dazu nicht an, da Textverarbeitungssysteme Steuerzeichen einfügen, die beim Neuaufruf im Browser hinderlich sind. Excel und Access (rtf-Format) sind da schon besser, schlicht und handlich sind Editoren im reinen txt-Format wie Notepad++ oder auch das Windows-Notepad.

 

 

 

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