Herausforderung – aber wie?

Wenn Jobsuchende sich in Xing, in Bewerberportalen oder im Gespäch vorstellen, fällt ein Satz immer wieder: 

„Suche neue Herausforderung“

Wieso nutzt das eigentlich fast jeder? Eine Floskel, die erst einmal klar scheint: Da sucht jemand einen neuen Job. Klar ist er allerdings nur auf den ersten Blick, genau genommen nur für den Sender der Botschaft. Um sich in der großen Horde der Jobsucher zu differenzieren, taugt er überhaupt nicht. Um bei der Jobsuche erfolgreich zu sein, muss schon ein bisschen mehr Genauigkeit her.
Wer sich in einer Elevator Pitch kurz und knapp präsentieren will, wird das anders tun. Denn die Elevator Pitch soll dem Gegenüber  in allerkürzester Zeit von den eigenen Fähigkeiten und Zielen überzeugen. Nämlich maximal so lange, wie ein Fahrstuhl unterwegs ist – daher der Name. Wer in wenigen Worten umreißen kann, wie sein nächster Karriereschritt beschaffen sein soll, ist klar im Vorteil bei der Jobsuche. Zum Beispiel:

„Erfahrener Geschäftsprozessberater sucht neue Herausforderung“

Jetzt wird klar, dass weder Anbieter von Jobs in der Fertigungstechnik, im Keramikvertrieb noch im SAP-Training bei diesem Kandidaten fündig werden. Welche Qualifikation dieser Jobsuchende mitbringt, ist jetzt sicher.  Das Angebot steht, aber was genau fordert diesen Menschen heraus? Denn unklar ist nach wie vor, wohin der nächste Karriereschritt führen soll. Schade, denn so wird er bestenfalls auf der Stelle treten können. Wer nicht sagt, was er sucht, dem kann nur der Zufall helfen. Und der ist bekanntlich kein guter Ratgeber.

„Emphatischer Geschäftsprozessberater sucht Vertriebsaufgabe“

Die Herausforderung ist enttarnt! Das Ziel der Reise ist jetzt auf dem Tisch: Der Geschäftsprozessberater will in Zukunft im Vertrieb arbeiten. Auf der Kompetenz-Seite tut sich auch etwas: Empathie ist im Vertrieb eine wichtige Eigenschaft. Eine gute Idee, sie mit ins Rennen zu schicken! 

Wer sich bewirbt, muss beides offenlegen:

  • Was habe ich meinem Ihrem neuen Arbeitgeber anzubieten?
  • Worin bin ich richtig gut?

Es hat keinen Sinn, die Leser einer Bewerbung oder eines Social-Media-Profils die Antwort auf diese beiden Fragen selbst finden zu lassen. Wer diese Fragen antizipiert und die passenden Antworten klar liefert, hat viel höhere Chancen auf passende Jobangebote.

Dass Herausforderungs-Floskeln nicht das Gelbe vom Ei sind, dürfte jetzt klar sein. Bei der Formulierung der beiden Antworten kommt man mit nichtssagenden Worthülsen nicht weiter. Dass Begriffe wir „erfahren“, „langjährig erfolgreich“, „ambitioniert“ in die Verbalmülltonne gehören, ist noch nicht alles. Wie man mit Buzzwords in der Bewerbung umgeht, habe ich in einem separaten Post beschrieben.  Buzzwords können eine Menge Unsinn anrichten. Zum Beispiel: 

„Erfolgreicher Manager sucht neuen Wirkungskreis“

Neuer Wirkungskreis? Hier entsteht leicht sich das Bild des Schäfchens, das angepflockt brav seinen Fünfmeterradius Wiese abgegrast hat und nun das Köpfchen hebt, auf der Suche nach frischem Grün. Das passt so gar nicht zu dem erfolgreichen Manager. Das soll eine Herausforderung sein? Schon eher so:

„Sturmerprobter Interimsmanager bringt Startups in ruhiges Fahrwasser“

Das Formulieren von Elevator Pitches oder Überschriften für Jobgesuche ist nicht einfach. Je weniger Worte, umso wichtiger wird die richtige Auswahl. Eine bildhafte Sprache ist allemal besser als abgegriffene Worthülsen, die kaum mehr als nichts aussagen.