Herausforderung gesucht. Ach nee!

Alle tun’s – vom Vorstandschef bis zum Azubi, von der Kindergärtnerin bis zur Stararchitektin. Es eint das ganze Land, über Parteigrenzen hinweg, ungeachtet von Hautfarbe und Schuhgröße. 100 % aller Jobsuchenden sagen von sich:

„Suche neue Herausforderung“
Was für ein schöner Satz, und so wahr! Klar ist er allerdings nur auf den ersten Blick, genau genommen nur für den Sender der Botschaft. Um sich in der großen Horde der Jobsucher zu differenzieren, taugt er gerade deswegen überhaupt nicht. Wer das Augenmerk der Stellenanbieter einfangen möchte, muss schon etwas präziser werden.
In der klassischen Elevator Pitch-Präsentation wird das eigene Angebot kurz und knackig dargestellt. Ziel ist, das Gegenüber von den eigenen Fähigkeiten im Sinne eines Alleinstellungsmerkmals zu überzeugen. Doch je kürzer der Text, umso mehr kommt es auf die genaue Wortwahl an. Wer in wenigen Worten umreißen kann, wie sein nächster Karriereschritt beschaffen sein soll, ist klar im Vorteil bei der Jobsuche. Versuchen wir es einmal:

„Erfahrener Geschäftsprozessberater sucht neue Herausforderung“
Schon besser. Jetzt ist klar, dass Anbieter von Vakanzen in der Fertigungstechnik, im Keramikvertrieb oder im SAP-Training bei diesem Kandidaten nicht fündig werden. Die kritische Masse wird um einen zweistelligen Prozentsatz bereinigt, wir nähern uns tatsächlich der Zielgruppe. Angeboten wird mehrjährige Fachkompetenz, aber was genau fordert diesen Menschen heraus? Noch behält unser Kandidat das für sich, wir müssen uns mit einer diffusen Idee begnügen.

„Emphatischer Geschäftsprozessberater sucht Vertriebsaufgabe“
Gut, wirklich gut! Die Herausforderung ist klar beschrieben: gesucht wird eine Tätigkeit im Vertrieb. Auch das Angebot ist deutlich umrissen: BPM-Fachkompetenz, gepaart mit dem im Vertrieb relevanten Soft Skill Empathie, hier wird das Angebot für den Nachfrager klar verständlich dargestellt.
In unserer Personalberatungs-Praxis gehört es zur alltäglichen Kür, mit Kandidaten herauszuarbeiten, was sie denn genau herausfordert. Dabei legen wir viel Wert auf ein differenziertes „biete – suche“-Schema: was haben Sie Ihrem neuen Arbeitgeber anzubieten, worin sind Sie richtig gut? Mit genau welchem Angebot wird  Ihr neuer Arbeitgeber Sie langfristig binden können?
Die klassischen Worthülsen wir „erfahren“, „langjährig erfolgreich“, „ambitioniert“ wandern schnell in die Verbalmülltonne, denn sie taugen nicht als Differenzierungsmerkmal, führen unter Umstanden sogar in die falsche Richtung:

„Erfolgreicher Manager sucht neuen Wirkungskreis“
Neuer Wirkungskreis? Hier entsteht leicht sich das Bild des Schäfchens, das angepflockt brav seinen Fünfmeterradius Wiese abgegrast hat und nun das Köpfchen hebt, auf der Suche nach frischem Grün. Das passt so gar nicht zu dem erfolgreichen Manager. Schon eher so:
„sturmerprobter Interimsmanager bringt Startups in ruhiges Fahrwasser“

Diese Beispiele taugen möglicherweise als Headline für ein Jobgesuch. Sie helfen ganz sicher dabei, das eigene Karriereziel  zu fokussieren. Vielleicht braucht es fünf solcher Überschriften, bis Sie für sich vollständig umrissen haben, wohin Sie der nächste Karriereschritt führen soll. Denn oft genug gibt es mehr als nur den einen Königsweg.