Doppelt gemoppelt: nicht immer besser

Netz und doppelter Boden sind für Hochseilartisten überlebenswichtig. Auf einen doppelten Boden baut es sich aber nicht in jedem Fall gut.

Wer schnell und sicher einen neuen Job finden will, wird sich reichlich bewerben. Dass Sie dabei nicht auf alles schießen, was sich bewegt, hatten wir schon an anderer Stelle betrachtet. Gezieltes Bewerben heißt die Devise: der neue Job soll Ihr Kompetenzprofil, aber auch Ihren sozialen Skills aufgreifen, kulturell stimmen Sie mit dem Zielunternehmen überein – zusammen sind das gute Voraussetzungen für den Erfolg Ihrer Bewerbung.
Und nun – Glückes Geschick! Einer der Marktführer, ein Unternehmen mit bestem Namen, einer der Top-Arbeitgeber Ihrer Region, bietet gleich zwei Positionen an, auf die Sie passen könnten. Die Wahl fällt schwer. Warum also nicht gleichzeitig auf beide bewerben? Gesagt, getan.

Nehmen wir an, Sie bewerben sich einerseits auf eine Projektmanagement-Position: After Sales-Verantwortung für den Kunden, fachliche Führungsverantwortung für ein mittelgroßes Projektteam, vertriebliche Ziele und ein fachlicher Themenbereich, der genau zu Ihnen passt. Genau die Herausforderung, die Sie suchen!
Eine zweite Bewerbung erhält das Unternehmen für diese Position: Experte im Fachthema, das Sie für das Unternehmen im Innenverhältnis vertreten. Sie fungieren als Ansprechpartner für Kollegen aus verschiedenen Fachbereichen, über Standorte hinweg. Es ist Ihr Thema, keine Frage!
Im ersten Fall bewerben Sie sich über einen Headhunter, der Sie in der regionalen Niederlassung vorstellt. Im zweiten Fall schicken Sie Ihre Bewerbung um wenige Tage versetzt direkt an die Unternehmenszentrale. Geschickt gemacht – was kann da schon passieren, denken Sie?

Sie haben Recht. Es wird nichts passieren.
Vielleicht bekommen Sie zwei nichtssagende Absagen. Das Unternehmen wird die Doppelbewerbung feststellen. Aufgrund der unterschiedlichen Kompetenzprofile wird die Frage aufkommen, ob Sie sich der Verantwortung der Projektmanagement-Position tatsächlich gewachsen fühlen, ob Sie in der fachlich dominierten Expertenrolle wirklich glücklich werden können. Möglicherweise sind Sie fachlich kompetent für die Expertenrolle und besitzen tatsächlich gleichzeitig die nicht unerhebliche Social Power für den Projekt- manager – aber nicht die Klarheit hinsichtlich Ihrer Karriereziele. Welcher Grund auch immer: er führt zur finalen Abwertung.



Der besseren Lesbarkeit halber verwenden wir in diesem Text in Personenbezeich­nungen die männliche Form. Sie gelten sinngemäß auch in der weiblichen Form.