Erfolgreiches Vorstellungsgespäch: wenn die Chemie stimmt

Nicht nur Stellensuchende zeigen sich im Interview im besten Licht. Je schwerer es für Unternehmen wird, geeignete neue Mitarbeiter zu finden, umso wichtiger wird das dem Bewerber präsentierte Unternehmensbild – Tendenz seit Jahren zunehmend. Idealerweise sind  beide Seiten am Ende des Termins voneinander begeistert. Wenn die Chemie stimmt, entsteht Begeisterung, wird das Gespräch zum Erfolg. Was ist es genau, was diese Begeisterung entstehen lässt?


Offensichtliches Interesse 

Schon die ersten Momente des Gesprächs setzen Maßstäbe: höfliches Begrüßen, ein bisschen Small Talk über unverfängliche Themen – das Eis ist gebrochen. Authentisches Verhalten, aber auch das Einhalten von gesellschaftlichen Konventionen schaffen den Rahmen für die Einschätzung des Gegenübers.
Ein gut vorbereiteter Unternehmensvertreter hat den Werdegang des Bewerbers präsent – wiederkehrende Blicke in die Bewerbungsunterlagen wirken wie schlecht vorbereitet.
Fragen zum Aufgabengebiet und dessen Umfeld spiegeln das Interesse des Bewerbers. Und umgekehrt: Wer als Bewerber nicht fragt, outet sich durch Gleichgültigkeit. Eine gute Vorbereitung der eigenen Fragen ist wichtig; sie zahlen sich selbst dann aus, wenn der Unternehmensvertreter die Antwort schuldig bleiben müsste. Sollte tatsächlich eine Frage offen bleiben, kann man vereinbaren, wie die Antwort im Nachgang den Bewerber erreicht und so die Wertschätzung des Bewerbers ausdrücken.


Offenheit und Miteinander

Kein noch so geradliniger Lebenslauf, begleitet von erstklassigen Zeugnissen, der nicht durch den Personalentscheider hinterfragt wird. Fachliche und soziale Kompetenzen kommen auf den Prüfstand. Erfahrungsgemäß sind Personalentscheider geübte Frager, deren gestochen scharfe Fragen klare Aussagen verlangen. Hier gilt uneingeschränkt: Offenheit macht stark! Üblich sind auch Stressfragen, vor allem bei Führungspositionen. Alles das sollte der Bewerber souverän meistern. Allerdings können bohrende, stressige Fragen ein Interview auch zum Verhör verkehren, wenn das notwendige Fingerspitzengefühl fehlt. Hier klärt sich nicht zuletzt die kulturelle Übereinstimmung zwischen Unternehmen und Bewerber.
Aus demselben Grund ist auch der Bewerber zum aktiven Fragen aufgefordert, gerade bei für ihn entscheidenden Rahmenbedingungen, die sich nicht direkt aus der Stellenbeschreibung erschließen. Diese unter den Tisch fallen zu lassen oder auf später zu verschieben, drückt mangelnde Souveränität aus und ist ganz sicher kein Indiz für Interesse.
Weder die Unternehmensdarstellung noch die Schilderung des Werdeganges sollte zum scheinbar endlosen Monolog ausarten. Lassen Sie sich unterbrechen! Zwischenfragen sind keine Unhöflichkeit, sondern zeigen Interesse.
Raum für Fragen muss sein, während des gesamten Gespräches und für beide Seiten. Ein gutes Interview zeigt sich im Dialog, ist aber kein Kaffeekränzchen.


Die Chemie stimmt

Schon Mimik und Gestik allein verraten schnell, wie die Sache steht. Das gilt für beide Seiten: Wie ist die Körperhaltung, lässt man sich gegenseitig ausreden, besteht Augenkontakt, ist das Lächeln offen und entspannt? Getreu dem Motto, dass der Mensch sich nicht nicht verhalten kann, werden hier entscheidende Signale gesetzt, die über den Erfolg des Interviews entscheiden. Umgangsformen und äußeres Erscheinungsbild bestimmen wesentlich, ob man miteinander auskommen kann. Selbst wer inhaltlich hoch punktet, kann auf der non-verbalen Ebene so viel Boden verlieren, dass die Überzeugungswirkung dahin ist.


Bewährte Killerthemen

Genauso ist auch ein inhaltliches K. o. möglich. Antworten auf Fragen mit weltanschaulichem Hintergrund, nach Kinderwunsch oder Gesundheit kann der Bewerber verweigern. Hier greifen nicht nur guter Geschmack, sondern auch gesetzliche Vorgaben, beispielsweise nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006.  Ein diplomatischer Umgang mit solchen Fragen ist sinnvoll, denn die Abgrenzung zwischen Small Talk und weltanschaulichen Themen ist kulturell sehr verschieden, schon in der westlichen Welt.
Andererseits kommen Vertraulichkeiten, eine weite Auslegung von Benimmregeln oder negative Äußerungen über das Unternehmen bei Personalentscheidern nicht gut an – selbst dann, wenn die fachlichen Voraussetzungen rundum erfüllt sind.  Dass Fragen nach der Vergütung, Urlaubstagen und Sonderleistungen besser in ein Zweitgespräch passen, gehört dann noch in den Bereich der Kür.

 

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