Das neue XING-Profil: So geht’s mit der Karriere voran

Seit gestern stellt XING seinen Mitgliedern eine neue Profilvariante zur Verfügung. Noch bleibt die alte parallel erhalten, aber ab August wird die bisherige verschwinden. Genug Zeit also, das neue Profil zu befüllen und die Neuerungen sinnvoll für die eigenen Ziele einzusetzen.

Wer auf Jobsuche ist, kann das jetzt viel differenzierter als bisher mitteilen: rechts oben auf der neuen Profilseite gibt es den Button „Karrierewünsche bearbeiten“. Dort kann man nun angeben, ob man 

·         aktiv auf Jobsuche ist,
·         nicht auf Jobsuche, aber offen ist für Angebote oder
·         derzeit kein Interesse an Karrierechancen hat.

Das Neue daran ist einerseits diese feinere Differenzierung. Andererseits kann man nun auch genauer angeben, wer diese Information sehen darf: Recruiter (als Inhaber eines entsprechenden XING-Accounts), Recruiter und gleichzeitig auch die eigenen Kontakte oder alle XING-Mitglieder. Insgesamt also neun technisch machbare Varianten, die je nach Lebenssituation mehr oder weniger sinnvoll sind.
Hier heißt es immer noch, Vorsicht walten zu lassen. Denn nur, wenn auch die Vorgesetzten bzw. HR-Mitarbeiter des aktuellen Arbeitgebers von diesem Wechselwunsch erfahren dürfen, sollte man das Häkchen in der ersten Zeile setzen – unabhängig von der zweiten Auswahl. Denn neben den klassischen Personalberatern haben vielfach auch HR-Abteilungen von Unternehmen einen Recruiter-Account bei XING gebucht.

Die zweite dagegen ist deutlich unverfänglicher – denn, wer an Karriere interessiert ist, ist bereit zur Weiterentwicklung. Diese Information darf getrost auch bei Kollegen und Vorgesetzten landen. Vielleicht lassen sich Vorgesetzte und Entscheider im eigenen Unternehmen so zu Mitarbeiterbindungsmaßnahmen motivieren.

Wer im Job glücklich ist, ausreichend Perspektiven im aktuellen Job sieht oder genervt ist von den vielen Headhunter-Anfragen: für diese Personen ist die dritte Zeile die richtige Wahl. Immer vorausgesetzt, die Headhunter dieser Welt lassen sich so demotivieren. In diesem Fall ist die dritte Auswahl (Alle XING-Mitglieder) die beste – nicht alle Recruiter nutzen wirklich den neuen Talentmanager.
Mein Tipp: wer auf Jobsuche ist, sollte intensiv netzwerken und dies nicht auf den Zeitraum der aktiven Jobsuche beschränken. Durch tatkräftiges Mitmischen in zum beruflichen Thema passenden Gruppen und Teilnahme an deren Events kann man bei XING viel erreichen. Dort tummeln sich auch die einschlägigen Recruiter, vor allem  aber kann man die Information der eigenen Jobsuche gezielter und viel effizienter streuen. Ein ansprechend ausgearbeitetes Profil ist dann sozusagen das Tüpfelchen auf dem i.

Die bisherigen Profilinformationen sind nun auf mehrere Seiten verteilt. Alles, was zum CV gehört und der Jobsuche zuträglich ist, findet sich auf der neuen Profilseite. Detailainformationen zum Werdegang lassen sich auf- und zuklappen. Vielfach wird die grüne „Blase“, mit der die Dauer der Firmenzugehörigkeit signalisiert wird, als irritierend empfunden. Wer sie nicht haben möchte, nimmt einfach die Monatsangaben raus und hat nur noch kleine grüne Kügelchen. Aber ist das wirklich sinnvoll, wenn man auf Jobsuche ist?

Wie bisher lassen sich Details zur beruflichen Station als Freitext formulieren. Auf Anhieb sind diese Detailtexte nun nicht mehr sichtbar, was der Übersichtlichkeit dient. Recruiter müssen also erst die Timeline aufklappen, um diese Details zu sehen. Ganz sicher: sie werden es tun. Denn dort spielt die Musik, keine Frage. Die Darstellung der eigenen Aufgaben und Rollen lohnt sich also nach wie vor.
Ein ganz dickes Plus ist das neue Portfolio. Sicher ist es eigentlich vor allem für die vielen Freiberufler bei XING interessant, denn hier lässt sich viel mehr darstellen als in der alten „Über Mich“-Sektion. Bilder sind möglich, wobei Premium-Mitglieder deutlich mehr Spielraum haben als Basismitglieder. Die bisherigen Dateianhänge wandern standardmäßig bei der Übernahme aus dem alten Profil hierher. Jedes Mitglied kann entscheiden, ob das Pendant der alten Profilseite die eigene Einstiegsseite für Profilbesucher sein soll oder das Portfolio. Die Einstellung lässt sich über den Button rechts oben unter „Privatsphäre“ fixieren. Wer also in der Bewerbungsphase mit Veröffentlichungen oder Arbeitsproben punkten will, kann das nun bestens tun – als PDF, durch Bilder oder direkt eingefügten Text bzw. Links.
Aber auch für das persönliche Image sind die neuen Möglichkeiten interessant. Dabei sollte jeder genau abwägen, was und wie viel hier hinein gehört. Eine sorgfältige Detailauswahl braucht Zeit. XING gewährt sie uns: Denn die Daten aus der alten „Über Mich“-Seite bleiben noch bis Ende September erhalten.
Mein Fazit: Für die Selbstdarstellung ist das neue Profil ein Gewinn. Ob es mehr Erfolg bringt, wird die Zeit zeigen.