Daneben gegriffen…!

Wenn’s gar nicht klappt in der Ehe, hilft die Scheidung. Zwar nicht gerade ein Zuckerschlecken, aber doch zumindest voll sozialisiert, tangiert dieser Schritt den gesellschaftlichen Stellenwert einer Person kaum.
Anders sieht das aus, wenn es mit dem neuen Arbeitgeber nicht klappt: ein Wechsel nach nur zwei, drei Monaten macht sich im Lebenslauf einfach nicht gut und fordert Erklärung im Vorstellungsgespräch. Dabei sah alles so gut aus: Top-Platzierung im Arbeitgeberranking, überzeugende Firmenbroschüre und nettes Vorstellungsgespräch. Lässt sich ein solcher Fehlgriff vermeiden? Mit einer Portion Vorsicht und differenziertem Herangehen an den potenziellen Arbeitgeber kann man das Risiko zumindest minimieren. Hier ein paar Tipps:

Mehrfachausschreibung derselben Position kurz hintereinander

Manche Angebote für stark spezialisierte Jobs werden wegen des Mangels an qualifizierten Fachkräften über eine sehr lange Zeit ausgeschrieben, bis endlich eine passende Besetzung gefunden ist. Beratungshäuser schreiben manche Jobs dauerhaft aus, weil ständig Nachwuchskräfte gesucht werden. Abgesehen von diesen Sonderfällen ist Vorsicht angesagt, wenn dieselbe Position immer wieder in kurzen Abständen ausgeschrieben wird. Vielleicht steckt ein Kamikaze-Job dahinter mit hohem Verschleißpotenzial oder ein Unternehmen mit verbesserungswürdiger Mitarbeiterkultur.

Fehlerquelle Jobbörse

Ist die Position, die Sie interessiert auch auf der Webseite des Unternehmens ausgeschrieben? Angebote in Jobbörsen werden von den Unternehmen nicht immer gepflegt. Manchmal hat die Sache aber auch Methode: Jobinserate sind relativ billige Werbeplattformen. Vor allem, wenn es um attraktive Jobs geht, kann das Angebot eine Luftnummer zu Werbezwecken sein. Der Blick auf die Karriereseite des Unternehmens kann Aufschluss geben, ob das Angebot echt ist.

Erscheinungsbild der Anzeige

Ein Riesenformat für ein Kleinunternehmen? Oder inseriert ein Konzern in Briefmarkengröße?  Beides macht stutzig, weil Aufwand und Wirkung in einem seltsamen Verhältnis stehen. Hintergrundinformation über das Unternehmen kann jetzt weiterhelfen: Laufen dem Unternehmen gerade die High Potentials weg? Ist der Konzern in Geldnöten? Werfen Sie Ihr Netzwerk an, um aus vertrauenswürdigen Quellen mehr zu erfahren.

Professioneller Umgang mit dem Bewerber

Vor, während und nach dem Interview gibt es eine Vielzahl von Kriterien, die Ihr Bauchgefühl färben:

  • Wird der Vorstellungstermin verschoben, nehmen andere Interviewer teil als Ihnen vorab mitgeteilt wurde?
  • Hat der Personalberater Sie gut auf Ihre Gesprächspartner vorbereitet?
  • Bekamen Sie vorab Informationen über das Unternehmen, überreicht man Ihnen beim Gesprächstermin Infomaterial, vielleicht ein kleines Geschenk?
  • Beginnt das Gespräch pünktlich, verläuft es störungsfrei, ist das Besprechungszimmer hergerichtet?
  • Teilt man Ihnen mit, bis wann eine Entscheidung erfolgt und wird diese Frist eingehalten?

Lauter kleine Details, aus denen die Wertschätzung für den Bewerber spricht. Wenn der Bauch sich mit Unwohlsein meldet, sollten Sie sich Gedanken machen, ob Sie kulturell wirklich in dieses Unternehmen passen.

Mitarbeiterklima

Werfen wir noch einen Blick in das Vorstellungsgespräch selbst.

  • Wie ist die Atmosphäre zwischen Ihren Interviewpartnern?
  • Ist ihr Auftreten ein Miteinander oder handelt es sich eher um zwei Interviews in einem Termin?
  • Falls Getränke serviert werden: Wie ist der Umgang mit der Servicekraft?

Im Kleinklima dieses Termins spiegelt sich das menschliche Miteinander so sicher wider, dass Sie daraus verlässliche Rückschlüsse auf das gesamte Unternehmen ziehen können.

Büro, Büro

Bitten Sie am Ende des Vorstellungsgespräches, einen Blick in die Arbeitsräume werfen zu dürfen. Schauen Sie den Mitarbeitern in ihrem Alltag zu:

  • wie ist die Atmosphäre? Kommen Sie mit der Geräuschkulisse klar?
  • Grüßt man sich im Vorbeigehen, gibt es Flurgespräche, ist die Kaffeeküche ein echter Pausenort?
  • Sind die Bürotüren geschlossen?
  • Zeigt man Ihnen ein Großraumbüro, mit dem Sie schon immer auf Kriegsfuß standen?

Wenn Sie sich in dieser Atmosphäre nicht wohlfühlen können, stehen die Chancen schlecht, hier zur Hochform aufzulaufen und einen satten Karriereschritt zu machen.

Das Ohr am Arbeitsmarkt – mit XING

Niemand kennt Ihr Wunschunternehmen besser als seine aktuellen oder früheren Mitarbeiter. Durch eine solche Person gewinnen Sie Informationen aus erster Hand, die Ihnen zu mehr Klarheit in der Karriere-Weichenstellung verhelfen können. Vielleicht findet sich in Ihrem Netzwerk eine solche Person. Wenn nein, kann einer Ihrer indirekten Kontakte weiterhelfen. Hierin liegt eine große Stärke des aktiven Netzwerkens. Die XING-Mitgliedersuche bietet die Option, nach Kontakten 1.und 2. Grades zu suchen. Kombiniert mit dem Namen des Wunschunternehmens wird man ganz schnell fündig.
Es geht aber noch mehr: Möglicherweise ergibt das aktive Netzwerken eine ganz neue Option – ein anderes Unternehmen, das Ihre Vorstellungen vom nächsten Karriereschritt  viel besser erfüllt.