Bewerbungsfrust? 9 hilfreiche Tipps für Absolventen

Raus aus der Hochschule, rein in die Karriere! Ganz so einfach ist es nicht. Den Bachelor oder Master in der Tasche, Interviewtermine im Kalender, ganz viel Optimismus im Kopf, der aber schnell verschleißt, denn Bewerben ist oft ein zähes Geschäft.

Bewerbungsfrust? 9 hilfreiche Tipps für Absolventen

Mit dem Studienende ist auch die Zeit der direkten Rückmeldungen vorbei. Noten waren ein gutes Raster, um die eigenen Kompetenzen einzuordnen. Ein ähnliches Orientierungsmittel gibt es bei der Jobsuche nicht. Bewerben dauert, Unternehmen lassen sich oft viel Zeit für die Bewerberauswahl. Wenn sich das Bewerberdasein hinzieht wie Kaugummi, Rückmeldungen ausbleiben, nagt das am Selbstwertgefühl. Es gibt keine Credits, die automatisch das Selbstwertsparschwein füttern. Wie gut bin ich eigentlich? Bin ich überhaupt kompetent, was mache ich falsch oder sehe ich einfach nicht klar? Sich dumpf im eigenen Leid schmorend in die Ecke setzen nützt nichts. Die Zeit lässt sich besser nutzen – zum Beispiel mit diesen neun Fragen zum Selberstellen.

Bewerben? Ich bin da mal optimistisch…

Eines mal vorweg: Bewerben ist ein Vollzeitjob, der vollen Einsatz fordert. So schön die freie Zeit ist, ein Job wäre allemal besser. Oder nicht? Wer seine Zeit lieber beim Daddeln, vor dem Fernseher oder mit Facebook-Gucken verbringt, kommt nicht voran.  Mit Vermeidungsstrategie hat noch keiner einen Job gefunden. Besser ist es, zu einer festen Uhrzeit aufzustehen, einen Tagesplan zu machen, in dem die Suche nach geeigneten Jobs und das Schreiben von Bewerbungen ebenso vorkommt wie Daddelpausen und Sport. Und immer auch ein bisschen Zeit für den Stolz auf die gelungene Selbstorganisation lassen, ganz wichtig als Futter für das Selbstwertsparschwein.

Weiß ich eigentlich, was ich will?

Auf alles zu schießen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, ist keine gute Bewerbungsstrategie – blindwütiger Aktionismus hat wenig Chancen auf Erfolg. Mal schnell eine Bewerbung raushauen, die Anschrift im Standard-Anschreiben geändert, den CV dazugepackt – das reicht nicht für den Traumjob. Einfach nur viel hilft bei der Jobsuche ganz wenig. Klare Ziele zu haben steht ganz am Anfang der Planung des Berufsweges und dass noch vor der ersten Bewerbung. Wer genau weiß, was er werden will, selektiert von ganz alleine. Wem das noch nicht so klar ist, dem hilft Aufschreiben. Das darf für den Anfang ruhig das Zielgehalt, das Traumauto, die Traumwohnung sein. Wenn ich einen Porsche fahren will, mir eine siebenköpfige Familie wünsche: was sind die Voraussetzungen, damit das klappt? Wie komme ich dahin, was ist als nächstes dran? So kommt man der Sache näher. Oder: was mache ich am liebsten, was geht gar nicht? Was kann ich gut, wo bin ich eine Niete? Mit offenen Augen träumen hilft manchmal, den eigenen Wünschen auf die Spur zu kommen. Freunde fragen auch. Kann gut sein, dass die Antwort auf diese Frage ein paar Wochen zum Reifen braucht. Das darf sie. Dranbleiben ist wichtig, notfalls wandert der Punkt in den Bewerbungs-Tagesplan. Für die ganz harten Fälle helfen Coaches. Das kostet zwar Geld, aber manchmal hilft genau das. Für den Anfang tun es aber vielleicht schon diese paar Denkanstöße.

Wie gut ist mein Lebenslauf eigentlich?

Den one-fits-all-CV gibt es nicht. Das gilt, obwohl der Lebenslauf immer den einen, denselben Menschen beschreibt: mich. Aber er muss vor allem als Antwort auf eine immer wieder neue Frage taugen: auf die der Stellenbeschreibung. Das klingt trivialer als es ist: je nach der Beschaffenheit des ausgeschriebenen Jobs, müssen andere Akzente gesetzt werden.  Ganz wichtig: Lebensläufe werden nicht wie Bücher gelesen, sondern eher wie Werbeanzeigen. Sie müssen den Leser in den ersten paar Sekunden fesseln. Sonst ist die berühmte Chance auf den ersten Eindruck gleich wieder verflogen. Damit der sitzt, müssen Schlüsselbegriffe aus dem Jobinserat aufgegriffen und mit dem eigenen Lebenslauf so verbunden werden, dass der Leser hängenbleibt – am besten an einer gut gestalteten CV-Titelseite. Gut gestaltet ist sie, wenn sie für den Leser wie ein Appetithäppchen wirkt: unten angekommen, will er mehr. Vom Lesen des Jobinserats bis zu fertigem CV und Anschreiben vergehen schnell mal ein, zwei (Bewerbungs-Arbeits-)Tage voller Kleinarbeit. Wer dazu mehr wissen will, findet anderswo in diesem Blog Tipps zu Anschreiben und der Gestaltung einer wirkungsvollen Lebenslauf-Titelseite

Suche ich an den richtigen Stellen?

Jobportale sind prima, aber nur die Spitze des Arbeitsmarkt-Eisbergs. Wer einen Traumarbeitgeber hat, dort aber bereits im Rennen ist oder sogar abgelehnt wurde, könnte sich bei dessen Wettbewerbern umschauen. Es müssen nicht immer nur die großen Namen aus den Top-Arbeitgeberrankings sein – im Gegenteil. Rund 90 % aller Unternehmen in Deutschland werden dem Mittelstand zugerechnet, haben mit 300 bis 500 Mitarbeitern eine gute Größe und oft überdurchschnittlich gute Startchancen für Absolventen. Mit ein bisschen Internet-Recherche lässt sich ohne viel Aufwand der Arbeitsmarkt erschließen, in dem sich ein gezieltes Bewerben lohnt. Für die Jobrecherche im Internet werden übrigens auch Kurse angeboten. Für die ganz Toughen habe ich hier etwas: Active Job Search.

Kann ich gefunden werden?

Wegen des Fachkräftemangels warten immer weniger Unternehmen auf eingehende Bewerbungen und machen sich selbst auf die Suche nach geeigneten Kandidaten. Die richtige Auswahl an Keywords sind der Schlüssel zum Gefundenwerden nicht nur in Karrierenetzwerken, auch im Lebenslauf sind sie wichtiger als man denkt. Zum einen benutzen viele Unternehmen Software, die vermeintlich unpassende Bewerbungen anhand von fehlenden Schlüsselwörtern automatisch herausfiltern. Krass gesagt: ohne passende Schlüsselwörter hat eine Bewerbung nur geringe Chancen, überhaupt von einem Paar menschlicher Augen gelesen zu werden. Das mag vielleicht sogar ein Grund für die vielen unbeantworteten Bewerbungsschreiben sein.  Unternehmen suchen in Karrierenetzwerken und auf Jobportalen mit für Branche und Berufsbild typischen Schlüsselwörtern nach passenden Kandidaten. Mit Schlüsselwörtern wie Motivation, Belastbarkeit oder der Suche nach Herausforderungen erreicht man schlicht nichts. Wie sich Schlüsselwörter gezielt finden und einsetzen lassen, habe ich vor kurzem in einem Karrierebibel-Gastbeitrag beschrieben.

Nutze ich mein Netzwerk?

Unter Freunden wird offen über die Arbeit geredet. Ungeschminkt wird über Gutes und Schlechtes, über Chefs und Kollegen geplaudert. Gut zuhören hilft, gute Arbeitgeber von weniger guten zu unterscheiden – unter Freunden, aber auch mal im Biergarten. Wer zudem die eigenen Freunde wissen lässt, dass er/sie auf Jobsuche ist, kommt manchmal schneller an eine Job als man glaubt. Aber auch der Ausbau des Netzwerks in neue Richtungen kann schnell zum Erfolg führen: Aktives Mitmitschen in Fachgruppen bei Xing und LinkedIn und in berufstypischen Foren ist eine gute Gelegenheit, die eigenen Fachkompetenz ins richtige Licht zu setzen. Wer sich umhört, wird schnell erfahren, wir wirksam der zwischenmenschliche Kontakt bei der Jobsuche ist. In Karrierenetzwerken Kontakte zu interessanten Arbeitgebern zu knüpfen und sich an diese heranzutasten, ist deren Sinn und Zweck – wenn auch nicht der einzige. Ganz am Anfang dieses Netzwerks steht ein aussagekräftiges Profil. Wer möchte, der findet hier ein paar Tipps für den Aufbau eines LinkedIn– bzw. Xing-Profils. Und hier noch zwei etwas ausführlichere Buchtipps, die schnell zum Erfolg führen von Michael Rajiv Shah und Constanze Wolff.

Nach dem Skype- oder Telefoninterview ist tote Hose – aber warum?

13mal eine erstes Telefonat mit der HR-Abteilung geführt, aber nur ein einziges persönliches Interview – da läuft etwas verkehrt! Gute Vorbereitung ist alles und meistens hapert es genau dort. Am besten ist es, bei der Terminvereinbarung auf ein wenig Zeit zur Vorbereitung zu achten statt einem spontanen Telefon- oder Skype-Interview zuzustimmen – selbst dann, wenn man gerade Zeit hat.Was macht die Firma? Was ist ihr wichtig? Was sind die Schlüsselbegriffe im Jobprofil und im Unternehmensleitbild? All das muss analysiert und bedacht werden. Ein Zettel mit den wichtigsten Stichpunkten dient als Spickzettel während des Telefonats. Beim Skype-Interview gibt es noch ein paar zusätzliche Dinge zu bedenken.

Wie wirke ich?

Eine frohe Botschaft vorneweg: Allglatte Alleskönner haben keinen Charme. Menschen wollen mit Menschen arbeiten, nicht mit Fachlexika. So trivial das klingt: wer als Mensch rüberkommt, wer Freundlichkeit und Offenheit ausstrahlt, hat gute Karten, als passabler Kollege durchzugehen. Bei all dem Stress rund ums Bewerben ist das leichter gesagt als getan. Aber wenn der Job wirklich passt wie eine zweite Haut und nicht wie ein hochfunktionaler (T)raum(job)anzug, dann geht das fast von alleine. Wenn der Stress immer wieder fast die Seele auffrisst, hilft die Interview-Notfall-Übung: hinsetzen, Spickzettel rausziehen, konzentrieren und nachlesen. Dort schreibt man rechtzeitig vorher auf: was kann ich gut? Was mögen andere Menschen an mir? Nach einigen Anwendungen wird der Spickzettel überflüssig. Dann nur noch hinsetzen und aufs Thema konzentrieren. Das beruhigt. Wenn dann die Tür aufgeht, geht man gelassener ins Interview.

Bin ich beharrlich genug?

Rückschläge, fehlende Erfolge entmutigen. Davon gibt es bei der Jobsuche genug. Ist einmal ein Job gefunden, ist das alles schnell wieder vergessen. Bis dahin wird jeder kleine Stein im Schuh zur tonnenschweren Last. Es ist nicht leicht, sich bei Rückschlägen immer wieder zum fröhlichen Weitermachen zu ermuntern. Gut, wer aus Misserfolgen lernen kann: was fand ich selbst an mir nicht so gut? Wo hätte ich überzeugender sein können? Habe ich mich genug vorbereitet oder war der Mut zur Lücke doch nur Risiko? Jede nicht erfolgreiche Bewerbung kann man zum eigenen Nutzen ummünzen, auch wenn es manchmal weh tut. Schließlich ist es viel leichter, sich selbst kritisch zu hinterfragen als darauf zu warten, dass die Menschheit sich den eigenen Vorstellungen anpasst.  So schön das vielleicht auch sein könnte.