Das As im Ärmel: Bewerbungserfolg ohne Guerilla-Taktik

Unser Test zur Videobewerbung läuft jetzt einen Monat, es ist also Halbzeit. Und damit Zeit, ein paar Gedanken und Impulse aus einer ganzen Reihe von Gesprächen zu sammeln und vorzustellen: Bewerbungserfolg per Video, geht das?

Wer Werbung guckt, der kennt das: was auffällt, macht aufmerksam.  Fernsehen, Zeitung und Internet sind voll von durchgestylten Schönmenschen, Hochglanz-Irgendwas und absurd gestelzter Perfektion, die mit dem Alltag so gut wie nichts gemeinsam haben. Glaubt das eigentlich einer? Scheinbar wirkt es trotzdem. So überdreht, wie Werbung daherkommt, kann man kaum an ihr vorbeigucken. Auffallen ist die Devise, sogar mit Absurdität und Überdosis, damit Mann und Frau beherzt konsumieren.

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Dabei muss Auffallen nicht immer in Hochglanz-Look daherkommen, um zu wirken. Auffallen geht auch gut geerdet, sogar mit den kleinen Nickeligkeiten des Alltags. Vom aktuellen Volkswagen-Skandal mal abgesehen, ist die Automobilindustrie insgesamt ein gutes Beispiel dafür, dass sich auch mit Defiziten Aufmerksamkeit gewinnen lässt. Nein, Häme meine ich nicht: Rückrufaktionen, darin ist der Weltmarktführer Toyota gleichzeitig Weltmeister, generieren eine Art Achtungserfolg. Und zwar gerade dann, wenn mal wieder in High-Tech-Land irgendetwas richtig in die Hose gegangen ist.  Der Trick: Offensichtliche Mängel mit Fassung zu tragen zeigt Größe. Mängel eingestehen und kompensieren, das hat Charme. Sichtbare Defizite sind also gar nicht so schlimm, wenn die Grundhaltung passt. Dann hat auch plötzlich ein Weltkonzern wie Toyota ein authentisch-menschliches Gesicht, das uns zum Zurücklächeln ermutigt. Menschen kaufen von Menschen – trotzdem oder sogar gerade deswegen.

 

Die Kehrseite der Schokoladenseite

Im Bewerbungsprozess ist das auch ein bisschen so. Getrieben von dem Wunsch, die Schokoladen­seite zu zeigen, strotzen Bewerbungen nur so vor Superlativen und Selbstbeweihräucherungen, ganz wie die gute alte Werbung. Zielsicher ist das bekanntlich nicht, der Effekt ist nur leider ein anderer. Auch wenn es offenbar überall nur von den Besten wimmelt, greifen Personalentscheider noch lange nicht beherzt in die Vollen. Wenn alle dieselben Reize einsetzen, floppen sie, werden unglaubwürdig und wirkungslos. Der gemeine Personalentscheider übt sich stattdessen lieber in der ihm eigenen nüchternen Zurückhaltung und wartet. Vielleicht auf den besseren Aufmerksamkeitseffekt? Dick auftragen und Überdosis tun es jedenfalls nicht, das kauft uns keiner ab.

 

Guerilla- oder konventionelle Taktik?

Halt, da war doch was, vor ein paar Jahren – genau! Der Aufmerksamkeitsfänger per se: die Guerilla-Bewerbung. Bewerbung als Mini-Kriegsführung, die mehr durch die Form der Präsentation als durch den Informationsgehalt wirkt. Da lebte das Prinzip der Bewerbung als Werbung in eigener Sache, koste es was es wolle, doch mal so richtig auf! Es gab Bücher zum Thema, ganze Artikelserien in Blogs und Ratgebern. In einigen Kreativberufen mag die Präsentationsform gleich­zeitig so schwerwiegende Information sein, dass die Guerilla-Bewerbung tatsächlich wirkt und ankommt. In allen anderen wirkt sie auch, aber nachhaltig nervig auf Einstellungsverantwort­liche. Kein Wunder, dass rund vier Jahre nach ihrer Geburt kaum noch jemand über die Guerilla-Bewerbung redet. Die Sau ward durchs Dorf getrieben, nun ist sie tot. Kein Jäger, der ihr den Sautod bläst. Aber viele, die ihr nicht nachweinen.

Zurück, und jetzt wieder ganz im Ernst: mit einer Informations-betonten Bewerbung so aufzufallen, dass sie wirkt und überzeugt, ist gar nicht so einfach. Mit einer aussagekräftigen, übersichtlich strukturierten und gut formatierten Bewerbung klappt das erfahrungsgemäß nur bedingt. Auf die Überdosis verbalen Hochglanz zu verzichten, fällt vielen Bewerbern schwer, gerade wenn der Bewerbungsmarathon in gefühlt dreistellige Dimensionen vordringt.  Verstärkt wird die Tendenz noch durch die Tatsache, dass viele Jobinserate erschreckend wenig Differenzierungsmerkmale aufweisen. Folglich fällt es Bewerbern schwer, Ansatzpunkte für die gezielte Selbstvermarktung zu finden. Aber das ist eine andere Sache, Bewerber haben da noch ein As im Ärmel…

 

Die Sache mit dem Hirn

Das menschliche Gehirn hat eine Eigenart: es ist Bildern sehr zugetan, bewegten ganz besonders. Diesen Effekt nutzt Fernsehwerbung schon lange – siehe oben. Schon die Auswahl eines guten Bewerbungsfotos macht vielen Bewerbern tagelang Kopfschmerzen. Es wegzulassen, traut sich kaum jemand. Schließlich ist das Bewerbungsbild viel einprägsamer als der Name einer Person. Denn die Erfahrung zeigt: aus einem Stapel Bewerbungen lässt sich durch schlichtes Durchschladdern schnell die eine finden, die einem seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht. Wenn das für Fotos gilt, wie einprägsam sind dann erst Videos? Werden sie vielleicht eines Tages genauso selbstverständlich Teil der Bewerbungsmappe sein wie das Foto? Sie haben jedenfalls das Zeug dazu.

Dass das so ist, hat vor kurzem eine Infografik von Statista skizziert. Bewegte Bilder wirken direkt am Entscheidungszentrum im Gehirn. Wenn es völlig überdrehten Werbefilmchen nachweislich gelingt, unsere Handlungsweisen zu beeinflussen, dann muss ein inhaltlich leidlich aussagekräftiges Bewerbungs-Video doch ins Schwarze treffen, oder? Eines ist sicher: wer sich mit einem Bewerbungs-Video präsentiert, wird konventionellen Bewerbern gegenüber mit einem Vorsprung an Aufmerksamkeit belohnt. Richtig gemacht, bietet das Bewerbungsvideo viel Information in aller Kürze, ohne die Nerven auf Empfängerseite zu strapazieren.

 

Einladung zum Ausprobieren

Seit einem Monat läuft nun schon unser Test mit dem Talentcube-Bewerbungsvideo; gerade ist Halbzeit. Es gibt viele Fürs und Widers, aber eine Ansicht kristallisiert sich heraus: Ein Video, per Handy-Kamera gedreht, das sich auf die Beantwortung von drei einfachen Fragen à la Vorstellungsgespräch stützt, ist eine zukunftsfähige Variante, sich zu präsentieren und positiv aufzufallen. Das Team von Talentcube hat da einen wirklich guten Plan in die Tat umgesetzt: einfach, menschlich und authentisch, ganz nah am Thema und auf das Wesentliche reduziert. Wer es ausprobieren mag, wird schnell spüren, wie mit ganz simplen, bodenständigen Mitteln, nämlich der eigenen Handy-Kamera, eine überzeugende Wirkung entsteht.

Heute werden noch keine Ergebnisse verraten, dazu ist Ende November dann Gelegenheit. Aber ich möchte zum Ausprobieren einladen. Auf unserer Webseite gibt es einen Test, der sich wie ein Bewerbungs-Video anfühlt, sich inhaltlich aber mit der Situation des Videodrehs selbst beschäftigt. Zwar braucht man zur Teilnahme kein durchgestylter Schönmensch zu sein, allerdings kann das Angebot derzeit nur von iPhone-Besitzern genutzt werden.  Für alle am Thema Interessierten, iPhone-Besitzer natürlich eingeschlossen, haben wir eine Umfrage vorbereitet, mit der wir unsere interne Diskussion um ein möglichst breites Meinungsbild ergänzen wollen. Das Ergebnis der Umfrage wird ebenfalls Ende November veröffentlicht. Werden Meinung und Erfahrung in dieselbe Richtung zeigen? Ich bin gespannt!

 

Der Link zum Ausprobieren: http://tinyurl.com/nq9rznr 

Der Link zur Umfrage: https://www.surveymonkey.com/r/QXTXFS3