Für alte Hasen: 8 Gründe, warum die Bewerbung 50Plus doch funktioniert 

Häufig hört man von Bewerbern 50Plus, dass ihre Bewerbungen von Unternehmen gar nicht beachtet würden. Verifizieren lässt sich das kaum, da Unternehmen in der Regel keine detaillierten Auskünfte über Ablehnungsgründe geben. Bewerber jenseits der Fünfzig gelten oft als chancenlos am Arbeitsmarkt und resignieren häufig. Der Erfolg einer Bewerbung hängt aber nicht nur vom Leser ab, sondern beginnt bereits im Kopf des Verfassers. Wer fest daran glaubt, nur geringe Chancen auf Erfolg zu haben, wird das auch zwischen den Zeilen der Bewerbung durchblicken lassen.

Die Bewerbung 50Plus-Falle

Bewerber, die die Grenze 45-50 überschritten haben, bringen ihr Alter viel öfter im Anschreiben zur Sprache als Jüngere. Wozu soll das gut sein? Ich kann mir keinen Reim darauf machen. Alter ist jedenfalls kein Qualifikationsmerkmal. Kommen als Antwort auf die Bewerbung dann nur lapidare Ablehnungen, muss das Alter als Grund herhalten. So baut sich schell eine teuflische Blockade auf. Dagegen tun wir jetzt etwas. Schauen wir uns zuerst ein paar Formulierungen an, die in der Bewerbung 50Plus oft auftauchen:  

Phrase 1: „Ich blicke zurück auf 30 Jahre Berufserfahrung“ 

Diese Formulierung deutet nicht nur darauf hin, dass der Bewerber zu den Älteren gehört. Sie weist vor allem in die falsche Richtung, nämlich in die Vergangenheit. Anschreiben und Lebenslauf einer Bewerbung sollen Auskunft geben über die Eignung des Kandidaten. Der Inhalt muss folglich auf die Zukunft ausgerichtet sein, um zu überzeugen. Rückwärtsgerichtete Formulierungen wirken deswegen oft schal. Eine in Jahreszahlen große Erfahrung ist ein schwaches Argument im Vergleich zu einer detaillierten Aufschlüsselung der eigenen Kompetenzen. Erfolgsträchtiger ist, Punkt für Punkt auf die in der Jobbeschreibung gelisteten Anforderungen zu antworten und im Gegenzug auf die Angabe der Berufsjahre zu verzichten.

Phrase 2: „Mit meinen 53 Lebensjahren bin ich…“

Egal, ob hoch oder niedrig: Alter ist weder ein Qualitätskriterium noch ein Grund, sich zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen. Ein Hinweis auf das Lebensalter kann weggelassen werden, ohne dass die Aussagekraft des Anschreibens leidet. Hier bewahrheitet sich, dass weniger mehr ist. Wer sein Lebensalter explizit in das Anschreiben eingebaut hat, sollte den Streichtest machen: Die Bewerbung gewinnt ohne diese Formulierung deutlich, ohne dass sich ihre Aussagekraft abschwächt. Übrigens wird auch von Menschen jenseits der 45 Jahre angenommen, dass sie persönliche Entwicklungsziele verfolgen. Deren Nennung punktet in jedem Fall.

Phrase 3: „Noch einmal durchstarten…“ 

Gut, wer nach vielen Berufsjahren noch Ziele hat!  Das gilt für langjährige Aufsteiger genauso wie für den, der lagen auf derselben Position verharrt hat. Ältere Bewerber formulieren diesen Wunsch häufig in blumige Formulierungen. Der Haken ist ihre geringe Aussagekraft über die Motivation der Bewerbung. Sie sagt zudem nichts aus über die Qualifikation – genau danach sucht der Leser der Bewerbung aber! Also am besten die Eignung für die angestrebte Position aus den inhaltlichen Erfahrungen herleiten. 

Phrase 4: „in über 20 Berufsjahren konnte ich meine Lernfähigkeit beständig unter Beweis stellen“ 

Häufig nehmen Bewerber an, dass es gut ankommt, ausdrücklich auf die eigene Bereitschaft zum Dazulernen hinzuweisen. Das ist ein zweischneidiges Schwert, vor allem dann, wenn die eigene Wissensbasis nicht mehr aktuell ist. Mit dem Hinweis auf Lernbereitschaft soll eine geringe Übereinstimmung mit den geforderten Qualifikationen kompensiert werden. Auch wenn es hart klingt: Qualifikation ist durch nichts zu ersetzen. Wer nur einen geringen Anteil der Anforderungen abdecken kann, sollte lieber auf diese Bewerbung verzichten. Sonst wird nur Resignationspotenzial aufgebaut, der Bewerbungsfrust ist vorprogrammiert. Die klare Einschätzung der eigenen Qualifikation eröffnet die Gelegenheit, sich auf besser passende Jobangebote zu konzentrieren. Lernfähigkeit ist übrigens selbst dann ein schwaches Argument, wenn sie durchgängig in allen Arbeitszeugnissen herausgestellt wird.

Extratipps für die optimale Bewerbung 50Plus

Alles, was für die Bewerbung von Berufsanfängern gilt, gilt genauso im höheren Berufsalter. Trotzdem kann genaues Arbeiten dem Erfolg der Bewerbung 50Plus nur nützen. Hier ein paar Dinge, auf die ältere Bewerber achten sollten:

Stellenangebot genau lesen! 

Aus den bisherigen Punkten wird klar: Geht die Bewerbung umfassend und deutlich auf die Aufgaben und Anforderungen ein, dann hat sie gute Chancen auf Aufmerksamkeit. Unternehmen sind nicht daran interessiert, geschliffene Formulierungen zu lesen, sondern wollen durch aussagekräftige Inhalte in klarer Sprache überzeugt werden. Eine vollständige und aussagekräftige Antwort kann man durch ein strukturiertes Vorgehen (http://karrierebibel.de/stellenanzeigen-richtig-lesen-analyse-in-6-schritten/) erreichen. Wer sich an diese Vorgehensweise hält, kann in allen Altersgruppen nur gewinnen.

Bewerbungsratgeber gelten auch für alte Hasen 

Junge Menschen haben häufig mehr Übung im Schreiben von Bewerbungen. Wer schon viele Jahre keine Bewerbung mehr geschrieben hat, bringt sich durch das Studieren eines kleinen Ratgebers schnell wieder auf den aktuellen Stand. Es lohnt sich, die Zeit dafür zu investieren, damit die gut mit den Anforderungen abgestimmte Selbstpräsentation einen zeitgemäßen Rahmen bekommt. Schließlich soll der mögliche Bewerbungserfolg nicht durch formale Schnitzer geschwächt werden. Auch wenn Young Professionals meist im Bewerben geübter sind, heißt das noch lange nicht, dass deren Selbstpräsentation inhaltlich tatsächlich passender ausfällt.

Lebenslauf im üblichen Format 

Der Lebenslauf muss umgekehrt chronologisch aufgebaut und gut strukturiert sein, dazu Kompetenzen stichwortartig auflisten. Das Europass-Format liefert eine gute Vorlage. Namen und Berufe der Eltern, Anzahl der Geschwister oder die Religionszugehörigkeit waren in der ersten eigenen Bewerbung der 80er Jahre vielleicht noch üblich, gehören heute aber nicht mehr hinein. Weggelassen werden können auch Weiterbildungsmaßnahmen, die älter als zehn Jahre sind –alle über fünf Jahren alten Maßnahmen gehören nur dann in den Lebenslauf, wenn sie einen Bezug zu der angestrebten Position haben.

Geschickte Choreografie 

Auch sachliche Dokumente wie Bewerbungsmappen haben eine Choreografie, die der Bewerber für sich nutzen kann: Wer befürchtet, dass sein Alter zum Handicap in der Bewerbung wird, stellt es einfach in den Hintergrund. Zum einen wirkt das Weglassen der oben genannten Formulierungen in die richtige Richtung, zum anderen gehört das Lebensalter auch nicht zwingend auf die Titelseite des Lebenslaufes. Zu einer geschickten Choreografie trägt übrigens auch das Auflisten der eigenen Kernkompetenzen auf der Titelseite der Bewerbung bei. Oben ein ansprechendes, das Lebensalter durchaus offenbarendes Foto und darunter die geschickt zusammengefasste, geballte Kompetenz – eine so authentisch-ehrliche und zudem gut aufgebaute Bewerbung überzeugt.

Keine Allheilmittel 

Trotz alledem: Nicht immer lassen sich aus einem schriftlichen Jobangebot alle Bewertungskriterien herauslesen. Indizien wie die Anrede per Du im Text oder der Verweis auf ein junges Team deuten an, dass Bewerbungen älterer Kandidaten weniger Chancen haben könnten. Viele Unternehmen realisieren inzwischen, dass altersgemischte Teams erfolgreicher sind und vielfältigere Ideen liefern. Einige nutzen diesen Vorteil bereits, andere schrecken jedoch noch vor möglichen Reibungsverlusten zurück. Es kann aufschlussreich sein, sich telefonisch nach dem Umgang mit Diversity-Themen im Unternehmen zu erkundigen: Weist ein Team eine gute Mischung nach Geschlecht, Internationalität und Vorbildung aus, ist ein Altersmix meist kein Problem.

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