Bewerben ist Selbstmarketing

Wieso ist Bewerben eigentlich so schwierig? In Deutschland herrscht Fachkräftemangel, das liest man überall. Trotzdem fällt es Unternehmen offenbar schwer, sich für einen Bewerber zu entscheiden. Zumindest klingt das durch, wenn man Bewerbern zuhört, die so ihre Erfahrungen mit lange Reaktionszeiten, Hingehaltenwerden, fadenscheinigen Absagen machen.

Wären Sie ein Schokoriegel, Ihr Hersteller würde schon lange vor Ihrem Markteintritt die Werbetrommel rühren. In dem Moment, in dem Sie, Herr oder Frau Schokoriegel, auf dem Markt erscheinen, will Sie jeder. Sie haben Aufmerksamkeit, Ihre Alleinstellungsmerkmale sind bekannt und im Gegensatz zum Schokoriegel könnten Sie sich Ihren Käufer aussuchen. Wie wäre das?

Unerschrocken Bewerberportale füttern, beharrlich auf alles bewerben, was nur leidlich passt oder doch die Guerilla-Strategie? Geht alles, geht aber auch alles noch besser. Ein gutes Selbstmarketing konzentriert die Aktivitäten auf das Wesentliche.

Werden Sie aktiv!

Selbstmarketing ist nichts anderes, als die Werbetrommel in eigener Sache zu rühren.  Silke Loers empfiehlt genau das in ihrem Vertriebs- und Social Media-Blog. Auf die Karriere übertragen heißt das: Bauen Sie sich Ihre fachliche Reputation auf, werden Sie als Bewerber aktiv! Und zwar frühzeitig, nicht erst, wenn der Jobwechsel akut wird.

Schließlich bietet Social Media mehr Möglichkeiten als Bewerberportale, Mobile Recruiting und Jobbörsen. Eine Warnung vorweg: es steckt eine ganze Menge Arbeit darin, eine Reputation aufzubauen, es kostet Zeit und Initiative, aber es ist dauerhaft lohnenswert, gibt Ihrer Karriere die richtige Dynamik und steuert sie aktiv in die richtige Richtung. Ist Ihr Name einmal mit den entscheidenden Keywörtern besetzt, wird man Sie finden, werden Sie die Aufmerksamkeit haben, die Sie brauchen, um in Karrieredingen voran zu kommen. Sie werden umworben statt als Bewerber Gehör zu suchen.

Übrigens setzen Sie auf diesem Weg Akzente hinsichtlich Ihrer Softskills: Strategisches Vorgehen, Beharrlichkeit, Zielorientierung und Kommunikationskompetenz sind dann gut besetzte Begriffe, die ebenso zu Ihnen gehören wie die fachlichen Schlüsselwörter.

Zuallererst: Definition Ihres nächsten Karriereziels

Was wollen Sie als nächstes erreichen? Ob Sie im Fachthema bleiben und Ihren Expertenstatus ausbauen wollen, eine Führungskarriere anstreben oder gar auf einen bestimmten nächsten Arbeitgeber abzielen: alles geht mit den Mitteln von Social Media – übrigens auch eine Verbesserung der eigenen Position beim aktuellen Arbeitgeber. Falls Sie sich gerade für eine berufliche Neuorientierung entschieden haben: schon zu Beginn eines berufsbegleitenden Studiums sollten Sie damit beginnen, Ihr neues Karrierethema zum Teil Ihres Selbstmarketings zu machen.

Präsenz in beruflichen Netzwerken

Ein Profil bei XING, LinkedIn, vielleicht auch Google+ ist schon einmal der Anfang. Erwecken Sie es zum Leben, reden Sie mit in Gruppen und Foren, in Communities. Wie bei einer Fachtagung wird man sich an Sie erinnern, wenn Sie mitreden, Kompetenz zeigen und sich als fachlich versierter Gesprächsteilnehmer entpuppen. Schließlich sieht man sich mindestens zweimal im Leben. Selbstmarketing braucht aber auch klare Entscheidungen: wollen Sie sich als Experte darstellen, suchen Sie die passendsten Fachgruppen. Sie zielen auf einen bestimmten nächsten Arbeitgeber ab? Dann sind die Foren die besten für Sie, in denen die dortigen Meinungsmacher aktiv sind. Oder schauen Sie sich doch mal bei Twitter und Facebook um, Fanpages von Unternehmen bieten auch einige Möglichkeiten für das Selbstmarketing.

Netzwerken Face-to-Face

Social Media mag ich gar nicht als aufs Internet beschränkt verstehen; menschlicher Kontakt ist durch nichts zu toppen. In den Sozialen Netzwerken werden viele Events angeboten, die sich an Fachpublikum richten. Verabreden Sie sich mit Ihren im Web geknüpften Kontakten zum gemeinsamen Eventbesuch, schauen Sie in den Teilnehmerlisten nach, wer sich als Gesprächspartner während des Events für Sie eignet. Und keine falsche Scheu! Sie werden sehen, wie positiv aktive Kontaktaufnahme ankommt. Haben Sie einmal ein persönliches, angenehmes Gespräch mit einer Schlüsselperson Ihres Wunscharbeitgebers geführt, sind Sie einen großen Schritt weiter. Googlen / bingen Sie doch auch ruhig mal nach dem Begriff Systematisch Kaffeetrinken. Eine echte Goldgrube!

Der Schwatz im Web: Nicht nur unter Bloggern

Wer gut und gerne textet, Fachliches mit Pointen verbinden und Theorie durchaus mal witzig darstellen kann: Dann ist Bloggen etwas für Sie! In den XING-Themen, die leider gerade eingestellt wurden, habe ich einige echte Hidden Champions entdeckt, deren Blogs ich heute gerne und regelmäßig besuche. Einige davon haben angebissen, machen als Blogger jetzt weiter. Ganz bestimmt gehört eine ordentliche Portion Schreibtalent und -leidenschaft dazu. Ganz wichtig ist das strategische Verbinden mit anderen, in Ihren Karrierezielkreisen etablierten Bloggern, denn es wirkt als Booster und schafft Bekanntheit. Mindestens einen solchen Booster braucht es ebenso wie die Beharrlichkeit, den Blog mit Inhalt zu füllen.

Wem das Schreiben nicht liegt: YouTube und Pinterest können als Alternativen herhalten. Manchmal sagen Bilder, bewegte und unbewegte, mehr als tausend Worte. Aber auch hier steckt Arbeit darin, auf Ihre Posts aufmerksam zu machen.

Stilmix

Was auch immer Sie tun, um Ihre berufliche Reputation aufzubauen: der Ton macht die Musik. Souveränität, Kritikfähigkeit und das Beachten der Nettiquette gehören dazu, dass man Sie anerkennt; sie sind das Sahnehäubchen auf dem Karrierekuchen und prägen das Gesamtbild, das Sie von sich entwerfen, entscheidend mit.

Am liebsten würde ich nun noch eine Skizze dessen anfügen, was konkret zu tun ist, um den für eine bestimmte Zieldefinition geeigneten Maßnahmenkomplex zusammenzustellen. An dieser Stelle würde dann unweigerlich der Rahmen dieses Posts gesprengt, deswegen lasse ich es. Aber – außer den beiden oben genannten Links möchte ich noch auf ein Buch von Stephan Koß hinweisen: Social Media für Freiberufler und Kleinunternehmer. Es enthält viele Tipps für den richtigen Mix, aber auch für das richtige Drumherum in Stilfragen. Ich finde, Stephan Koß’ Tipps lassen sich ohne Einschränkung auch auf die Karriere im Angestelltenverhältnis übertragen. Nicht zuletzt, weil Bewerben das Verkaufen der eigenen Kompetenz ist.