Bewerben auf Augenhöhe – geht das?

Den Film kennt fast jeder, alle sind begeistert von seiner Botschaft. Augenhöhe ist wichtig, damit zwei gleichrangig kommunizieren. Wenn Augenhöhe im Beruf nicht funktioniert, muss das aber nicht zwangsläufig am Chef liegen.

Auf Augenhöhe zu sein bedeutet, einander als gleichwertige Partner anzunehmen. Anders gesagt: es gibt kein Über und kein Unter. Ein Chef ist dann auf Augenhöhe, wenn seine kraft Amt gegebene Autorität in der Schublade lässt und stattdessen die Kooperationskarte spielt. „Spielt“ ist natürlich nur im übertragenen Sinn gemeint, das muss schon echt und authentisch sein.

Und der Mitarbeiter? Der freut sich. Der Bewerber übrigens auch, wenn er im Vorstellungsgespräch auf ein solches Augenhöhe-Szenario trifft. Tatsächlich?

 

Erfahrungen im Bewerbungsgespräch

Was in Bewerbungsratgebern, Blogs, Foren und Communities über Bewerbungsgespräche zu lesen ist, geht  in eine ganz andere Richtung. Dort entsteht eher den Eindruck, dass man als Bewerber in einer Schlangengrube steckt als in einem Vorstellungsgespräch auf Augenhöhe. Dabei sitzt das Problem nicht immer nur auf der anderen Seite des Tisches.

Das Drama mit der Augenhöhe

Augenhöhe ist wie Tanzen: es gehören zwei dazu, die sich aufeinander einlassen. Augenhöhe lebt auch davon, dass sich zwei Gleichrangige begegnen. Denn genauso, wie die eine Seite die Autoritätskarte spielen kann, kann das Gegenüber in Schüchternheit versinken und schon wird das nichts mit der Augenhöhe.

Sosehr sich Chef, Personalleiter und Fachverantwortlicher auch kooperativ zeigen, der Bewerber tut seinen Teil dazu, dass Augenhöhe entstehen kann. Das Zauberwort heißt Selbstwert. Geht der Bewerber mit angeknackstem Selbstwertgefühl in das Interview, wird kaum Augenhöhe entstehen können. Auch Einstellungsverantwortliche sind nur Menschen. Auch sie überlegen, wie sie wirken und arbeiten daran.

Der Tanz wird nur funktionieren, wenn der Bewerber seine Position einnimmt. Sich auf den Selbstwert zu besinnen gehört genauso zur Vorbereitung auf das Interview wie die Information über den Arbeitgeber. Der Selbstwert ist ebenso eine potenzielle Baustelle wie die kooperative Grundhaltung des oben erwähnten Chefs. Spätestens in der digitalisierten Arbeitswelt viernull brauchen es beide. Also lieber jetzt schon mit Üben anfangen.

 

Zum Weiterlesen:

Eine kontemplative Betrachtung zum Thema Selbstwert: https://www.kompassnadel.de/selbstwertgefuehl/ (Danke an Yannic Ippolito fürs Weiterposten)

Und ja! Auch die Recruiter-Seite kämpft an dieser Baustelle: http://intercessio.de/mit-herz-und-hirn-zur-top-response-rate-20-punkte-des-kandidaten-flirt-knigge/ (Danke an Barbara Braehmer für diesen genialen Gedankenschubser).